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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Rousseau.

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lrei vom Zwange der Auctorität und der Pflicht zu halten seien, und ebensowenigicker wäre es, bei den bestcrzogenen Jünglingen sich allein auf die Vernunft zu ver-lasse» Es hat hier Rousseau abermals eine Wahrheit in ein Paradoxon verwandeltnd dadurch das allein natürliche Verhalten der Erziehung auf den Kopf gestellt; denndieses besteht in dem allmählichen Aufsteigen vom Zwang zur Freiheit. Bald werdenwir auch sehen, wie Rousseau selbst jetzt noch seinen Emil immer nicht losläßt ausdm Netzen hosmeisterlicher List, was doch mit der Voraussetzung von eigener Vernunftso -mnz im Widerspruch steht. — Die Zeit des geschlechtlichen Reifens bringt nunmehrauch die Sorge für Geschmacksbildung auf die Tagesordnung, und hier empfiehltdenn Rousseau zunächst ein Jahr Aufenthalt in — Paris! Denn nichts anders seider Geschmack als das Vermögen zu beurtheilen, was der Mehrzahl gefällt oder nicht;ieses Vermögen bilde sich aber eher aus, wenn man zuerst dahin sich wende, woder Geschmack bereits entartet sei, und nirgends in der civilisirten Welt finde sichein schlechterer Geschmack im allgemeinen als eben dort. Das auf solchem Wegverfeinerte Gefühl solle man sofort auf einfachere Gegenstände fixiren; und dieshabe zu geschehen durch das Lesen angenehmer Bücher unter Hinweisung auf dieSchönheiten des Ausdrucks. Hier nun treten die Schriften der Alten ein — so reichan Sachen, so nüchtern im Urtheil, während unsere Neuern mit vielen Worten wenigsagen. Hernach möge man dem Zögling auch das Abwasser in den Reservoirs dermodernen Compilatoren, in Tagesblättern, Uebersetzungen, Encyklopädieen zeigen, dochnur zum flüchtigen Ansehen. Auch ins Theater wird Emil geführt, nicht um derSitten, sondern des Geschmacks willen. Vom Theater dann zur Poesie der Griechen,der Lateiner, der Italiener. Indessen mag er hierin etwas lernen oder nicht, daraus

kommt wenig an. Die Hauptsache ist nur, bei Uebung seines Sinnes für alles Schöne

seine Neigungen und seinen Geschmack zu festigen und zu verhindern, daß seine natür-lichen Begierden nicht entarten.

Jetzt aber ist für Emil hohe Zeit zu heiraten, und damit er bei seiner Wahlnicht fehlgreife, muß man Paris verlassen, ^äisu ?aris, norm olrsrelions I'amour,le boulisnr, I'inuocenes; norm ns ssrons jamais nsssr loin äs toi. So ruft der

Mmn, den es immer wieder nach Paris gezogen hat. — Sie suchen denn gemein-

schaftlich eine „Sophie" auf dem Lande, und in den Erziehungsroman verweben sichnunmehr auch Gedanken über weibliche Erziehung (5. Buch).

Frauen — sagt Rousseau — mäßen nicht nur achtungswerth sein, sondern wirk-lich geachtet; ihre Ehre steht nicht allein auf ihrem Betragen, sondern auf ihrerReputation. Die öffentliche Meinung — das Tugendgrab für Männer, ist der Thronder Tugend bei den Frauen. Danach hat also ihre Erziehung sich zu richten, sie hatder natürlichen Schwäche gegenüber die natürliche Scham zu pflegen, und währendbeim Knaben die Kraft, ist bei den Mädchen die Anmuth zu entwickeln. Aber auchfür ihre Erstarkung ist Sorge zu tragen wegen des späteren Mutterberufs, und R.ziebt hier der Erziehung in den Klöstern mit ihrer derben Kost und vielen freien Be-wegung in den Gärten den Vorzug vor der weichlichen, ängstlichen, jede lebhafteRegung beengenden häuslichen Erziehung. Beherzigenswerte Sprüche entströmen hierder Feder Rousseaus: »tont os gni §tzns st oontraint la naturs sst äs manvaisMüt; eela sst vrai äss xarnrss än eorps oomms äss orusmsnts äs I'ssprit; Inrio, In sunts, tu raison, ts disn-strs äoivsnt atlsr avant tont; la §raos ns vaMnt saus I'aisanos; la ästioatssss n'sst pas la langnisur, st il ns laut pas strsMl-sain pgnr plairs u. s. w." In ihrem Spiele mit Puppen offenbaren und ent-wickeln die Mädchen ihre Anlage und ihren Geschmack in Vorbereitung auf die Zeit,da sie ihre eigenen Puppen werden, und darum auch lernen sie so gerne, und viellieber als lesen und schreiben, die Nadel führen; also Nähen, Sticken ihre erste undnatürliche Beschäftigung, von wo aus zum Zeichnen ein einfacher Schritt, doch ja nicht^and;chaften und Figuren, sondern Blätter, Früchte, Blüten, Gewänder, soferne diesMen unmittelbar dienlich werden kann bei ihrer weiblichen Beschäftigung, denn dieFraum müßen noch mehr als die Männer ihr Lernen auf das Nützliche beschränken,E sie sich nicht erlauben dürfen, der Pflege irgend eines Talents auf Kosten ihrerhäuslichen Pflichten sich hinzugeben. Auch bei den Mädchen will Rousseau nichtsgelehrt wissen, wovon sie nicht den Nutzen einsehen. Lesen und Schreiben pressiren bei