Rousseau.
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Gesellschaft tragt er kein Bedenken das Recht der Intoleranz in Absicht auf abweichendeMiaionsübung zuznerkennen. Es hängt diese Abhängigkeitserklärung des öffentlichenGottesdienstes vom Staate einestheils mit seinem Begriff von der Allgewalt deSSouvcrains im Staat zusammen, als welcher ihm das Volk in seiner Gesammtheitallt anderntheils konnte er diese Gewalt des Staats in Sachen des Cults um soleichter nehmen, als ihm die Verschiedenheiten in Glauben und Cultus bei den An-bönacrn der geoffenbarten Religion gleichgültig erschienen, und er innerhalb jeder der-selben für seine esoterische Naturreligion Raum genug voraussetzte. — Im Vorbei-gehen sei bier nur angemcrkt, um wie viel humaner doch der moderne Staat mitseiner Freigebung der Culte sich entwickelt hat, als dies auf dem Boden einer rousseau'-schen Demokratie möglich wäre.
Als Hauptinstanzen gegen jede angeblich geoffenbarte Religion macht der Vicareinmal die Unmöglichkeit geltend, für die eine oder andere sich zu entscheiden, weil jedezuletzt auf irgend einer menschlichen Auctorität beruhe, und z. B. Wunder selbst wiederbeglaubigt werden müßten, um auf sie einen Glauben für die Religion zu gründen;sodann aber hauptsächlich das mit solchem Glauben erfahrungsmäßig verbundene Allcin-rechthabenwollen und Verdammen anderer. Dabei kommt er zu dem Resultat, sichgegenüber der christlichen Offenbarung auf den Boden eines respectvollcn Zweifels zustellen. „Für und Wider der Gründe genug, so daß ich nicht weiß, wofür mich ent-scheiden; ich gebe sie nicht zu, ich verwerfe sie nicht, ich verwerfe allein die Verpflich-tung, sie anzuerkennen, als unvereinbar mit der göttlichen Gerechtigkeit, und weildamit die Hiudernisse des Heils für die große Mehrheit der Menschen nur verviel-fältigt und unübersteiglich gemacht werden." Weitergehend ist allerdings, wenn Rousseauin seinen Briefen vom Berge ausruft: „streicht die Wunder aus dem Evangelium,und die ganze Erde wird zu Jesu Füßen liegen." — Hören wir nun aber, wie derMcar direct über die Person und die Lehre Jesu urtheilt: „Ich bekenne, daß dieMajestät der Schrift mich in Staunen setzt; die Heiligkeit des Evangeliums sprichtmir ans Herz. Kann ein Buch, so erhaben und so einfach zugleich, das Werk vonMenschen sein? Kann der, dessen Geschichte es erzählt, nichts weiter sein als einMensch? Wenn Plato das Bild seines Gerechten zeichnet, beladen mit allem Schimpf' Verbrechens und würdig jedes Lohnes der Tugend, so zeichnet er Jesum Christumg für Zug . . . Welche Vorurtheile, welche Verblendung gehörten dazu, um denihn des Sophrsniskus vergleichen zu wollen mit dem Sohne der Maria? Welchein Unterschied zwischen beiden! Sokrates entdeckte die Moral, sagt man. Andereübten sie vor ihm. Aber Jesus, wo hat er bei seinen Volksgenossen diese erhabeneund reine Sittenlehre erworben, zu welcher er selbst den Unterricht und das Beispielgab? Einen angenehmem Tod kann man sich nicht denken, als den eines Sokrates,wie er mitten unter seinen Freunden in aller Ruhe philosophirte; einen schrecklicherennicht fürchten, als den Jesus erlitten, da er unter Qualen, beschimpft, verspottet, ver-flucht von einem ganzen Volke, seinen Geist aushauchte. Ja, wenn Sokrates gelebthat und gestorben ist als ein Weiser, so Jesus als ein Gott. Sollen wir sagen, dieevangelische Geschicht^sei erfunden? Mein Freund, auf solche Art erfindet man nichts,und die Thatcn des Sokrates, an denen niemand zweifelt, sind weniger beglaubigt alsdu von Jesus Christus. Im Grunde hieße dies auch nur die Schwierigkeiten weiterhmausschieben, ohne sie zu lösen; unbegreiflicher wäre es, daß mehrere miteinanderdies Buch sollten fabricirt haben, als daß ein einziger dazu den Inhalt lieferte.Anninermehr hätten jüdische L-chriftsteller diesen Ton und diese Moral erfunden, unddas Evangelium hat so große, so überraschende, so ganz unnachahmliche Züge der«Hoheit an sich, daß man den Erfinder davon noch mehr anstaunen müßte als denHelden. Bei alle dem ist das Evangelium voll vou unglaublichen Dingen, die der-Vernunft widerstreiten, und die ein denkender Mensch unmöglich begreifen und an-mhmen kann. Was soll man nun thun inmitten all dieser Widersprüche? In alle-rg bescheiden und umsichtig sein, in der Stille respectiren, was man weder zu ver-anbegreifen vermag, und sich beugen vor dem großen Wesen, das allein,/.^Aheit weiß. Das ist der unfreiwillige Skepticismus, auf dem ich nunmehrdi? j>- ^ E ^er keineswegs peinlich ist, denn er erstreckt sich nicht auf solche Puncte,wr das Handeln wesentlich wären, und über die Principien aller meiner Pflichten