Pietismus.
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kcit i»,d Opferwilligkeit für solche Zwecke. Und was für tüchtige Persönlichkeiten ausdiesen Kreisen hervorgegangen sind, dafür genügt es, an den Pfarrer Flattich (f. d. Art.),den Stuttgarter Privatlehrer Jeremias Flatt (s. Knapps Christotcrpe 1852), denPispector der Beuggcner Anstalten, Chr. H. Zeller (s. d. Art.) zu erinnern. Ja, es! ist nicht zu leugnen, daß durchs vorige Jahrhundert hindurch die ausgezeichnetstenLehrer an den Volksschulen Pietisten waren. Denn bei der großen Mangelhaftigkeitder Vorbildung des Volksschullehrerstandes, bei der gedrückten äußeren Lage, der niedrigenStellung derselben war es einzig die Frömmigkeit, die solch einem Lehrer die fürseinen Beruf nothige Idealität, das höhere Bewußtsein gab, also dasjenige, was seitMtalozzi dem Lehrstand noch aus andern Quellen zugeführt worden ist, während jeneAröminigkeit ohnehin die gewissenhafteste Führung des Amtes zur Folge hatte. —Aber noch auf weiteren Wegen hat der Pietismus dem Erziehungsfleiß einen neuen,"Nichtigen Impuls gegeben. Erstlich nehmen wir in den Schulordnungen deutlichvnibr, daß auch den Behörden durch den Pietismus das Gewissen geschärft wurde.Lodann sind von Halle aus eine Menge Hofmeister oder Hauslehrer in die Familien«metreten, durch die mau nachhaltiger, als Schule und Haus es vermochten, auf dieZugend einzuwirken suchte. (Vgl. Zezschwitz Katechetik I. S. 252.) Endlich ist nochbesonders zu erwähnen, daß die Literatur der Kinder- und Jugendschriften auch vomftciismus sehr reichliche Beiträge erhalten hat, ja man wird sagen mäßen, sich erstkioißermaßen dorther datirt. Hatten die christlichen Verfasser solcher Schriften auchWt immer den richtigen Takt, mischt sich namentlich das Erbauliche manchmal sehram Unrechten Orte mit ein, thut überhaupt die erbauliche Tendenz der poetischenConception, der Unbefangenheit und Harmlosigkeit des Geschichtsbildes gar oft Ein-trag: es ist dennoch außer Frage, daß auch auf diesem Wege viel Gutes gestiftetMorden.
2. In Betreff des Materiellen, des praktischen Zweckes der Erziehung sind wirnicht minder lebhaft überzeugt, daß der Pietismus mit seinen Erziehungsprincipieneine höhere Mission hatte und für die evangelische Christenheit ein heilsames FermentMan muß sich zuvörderst an die unsägliche, unglanbliche Schlechtigkeit und
war.
Liederlichkeit erinnern, die seit Ludwig XIV. alle Höfe und Regierungen, und von daans zumeist die böhcren Stände vergiftet hat, um den Werth und die Nothwendigkeithietistischer Sittenstrenge und religiösen Ernstes zu ermessen. Ein minder günstigesUrtheil über die pädagogischen Tendenzen des Pietismus bekommen wir freilich vonAllen des modernen Lutherthums zu hören. >so lesen wir in dem „System derchristlich-kirchlichen Katechetik" von C. Ä. v. Zezschwitz (I. Leipzig 1863, S. 547):Zur Ausgleichung der subjcctiven Gliedschaft und des objcctiven Heilsgrundes gehtder Pietismus mit einseitigem und menschlichem Streben auf subjektive Lebcnsanregungorr, nicht auf eine erhöhte lleberleitung der im objcctiven Wesen der Kirche liegenden^cilokräfte auf die unlebendigcn Glieder. Das eigentlich Pietistische ist: init Kunst-«teln subjectiver Anregung und Belebung den Gnadenmittcln unterstützend zu Hülfes zu kommen." Ueberhaupt gehe (S. 588) dem Pietismus der Sinn für die objcctiven^ Lebensmächte ab. Allein — so mäßen wir fragen — war denn die Kirche zu SpenersM die objective Lebensmacht, die sie nach der Dogmatik allerdings hätte sein sollen?wr nicht das eben Speners Klage, daß sie erstorben, daß sie macht- und kraftlos sei?Tie Wirklichkeit ist doch auch eine objective Lebensmacht, und diese hat handgreiflichA gelegt, daß Amt, Schlüssel und Sacrament, so wie sie verwaltet wurden,Muskrästig — denn das schließt auch die wirkliche, sittliche Regeneration ein — nichtMrkt haben; daß man, wie zu Luthers Zeit auf den Ablaß, so nunmehr auf diesemchliche Objektivität sich verließ. Nein, gerade damit, daß der Pietismus jenenMjectiven Lebensmächten" gegenüber das Subjcct in seine Pflege nahm, daß er überdkm göttlich Gestifteten nicht das menschlich-Wirkliche, über dem dogmatisch-StabilenM'l das fittlich-Lebendige vernachläßigte, wie es die Orthodoxie gethan, daß er viel-letzteres gerade deswegen so ernstlich drang, weil es von der Kirche ver-Mlaßigt war, damit hat er der Kirche selbst den größten Dienst geleistet; damit^ eine evangelisch-kirchliche Pädagogik ins Leben gerufen; denn das
^ sE Arbeit an: Subject, am Individuum. In diesem Zusammenhang1 auch noch jener bekannten These der Pietisten zu gedenken, daß ein unwiedergeborner