Ordnungssinn, Ordnungsliebe.
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iiiimchr als bloß zufälliger und äußerlicher Beziehung steht. Der Ordnungssinn istnickt bloß, wie wir eben sagten, die günstige Bedingung, unter welcher eine Persönlich-keit leichter zu geistiger Größe gelangt, er ist die ursprüngliche und selbständige Form,in! welcher sich der geistige Inhalt ergießt, er ist das anerschaffene Tempo, in welchemsick der Geist bewegt.
' Die Erziehuugskunst hat von dem angegebenen Thatbcstande den richtigen Ge-brauch zu machen, um den angeborenen Ordnungssinn zur Ordnungsliebe zu entwickeln,beziehungsweise ihn zu wecken. Das erstere erscheint als pädagogisches Bedürfnis,weil angeborene Eigenschaften theils durch sittliche Erschlaffung, theils durch spätereseinseitiges Hervortretcn anderer Momente Noch leiden, ja verschwinden, theils, wieoben bemerkt, eine falsche, wuchernde Richtung einschlagcn können. Der Erzieher wirdden überwiegenden Trieb nach äußerer Ordnung mit Anerkennung behandeln, aber demeigensinnigen Festhalten derMegel in der Zeiteintheilung, bei welchem auch Pflichtender Liebe hintaugesetzt werden, die gebührenden Schranken setzen und dem maßlosen^Verlangen nach einem jederzeit bis ins kleinste befriedigenden Gesammtbilde der Haus-haltung wird er die Verantwortung eutgegenstellen, welche aus der damit zusammen-hängenden Vernachlässigung der höheren Bedürfnisse entspringt. Er wird durch Ernstund Ironie den todteu Mechanismus bekämpfen, der das eigene Leben in den selbst-s gemachten Kreislauf einer an sich werthlosen Gleichmäßigkeit des Thuns hineinbaunt,und der nicht selten statt zu größerer leiblicher und geistiger Gesundheit vielmehr zurDrüttung der Gesundheit führt. Denn absolute Regelmäßigkeit, weil sie dem Gesetzedes Lebens widerstrebt, ist lebensgefährlich in jedem Sinne des Wortes. Es kann«durch Zusammentreffen falscher Gewöhnung und sonstiger gesundheitsstörender Verhält-nisse dahin kommen, daß eine offcnstehende Schublade, eine hängende Thüre dem Men-schen zur endlosen Qual wird und ihm jeden andern Gedanken raubt. — Die Freiheitdmuß auch in diesen Stücken gewahrt bleiben und der künftige Geschäftsmann, dieskiinstige Hausfrau in dem Geist jenes Wortes von Flattich erzogen werden: daßChristus nicht eine Brosamen- sondern eine Brockenorduung haben wolle. Andrerseits- und dies wird freilich der häufigere Fall sein — wird das Hinwirken auf dieÄärkung„ beziehungsweise Weckung des Ordnungssinnes von der Voraussetzung aus-gehen, daß auch dem unordentlichsten Geiste nicht alle Anlage zur Ordnung mangelt,vielmehr dieselbe nur aus der Gebundenheit durch andere übermächtige Triebe zu be-isreien sei. Die Erziehung wird in diesem Stücke ein besonderes Gewicht auf dasi Beispiel legen. Genauigkeit vor allem in der Eintheilung der Zeit, darnach Sorgfalt, m der Behandlung der eigenen äußeren Erscheinung, sowie des Stoffes und der Werk-zeuge, an welche das tägliche Thun und Lassen gebunden ist, der Zimmer, des Haus-rathes, der Bücher und Schreibmaterialien, endlich noch insbesondere die aufmerksamsteBuchführung über Einnahme und Ausgabe — das sind Puncte, welche keine Päda-gogik außer Acht lassen darf. Denn die Ordnung ist das äußere Gesetz des Lebens,und es liegt in ihr eine unentbehrliche Zucht der sittlichen Persönlichkeit. Ordnung. ist geistige Sparsamkeit. Die Kinder lernen den - Werth der Zeit erst kennen, wennste sich gewöhnen, auf die Minute fertig zu sein. Daß diese Gesetze vornehmlich denstSchulm und Erziehungsanstalten gelten, wo schon die Menge der Individuen dieSchranke der Regel fordert, ist eine natürliche Sache, und man hat nicht nöthig, eineMreuge, welche auf das Kleinste sieht, als eine wohlthätige Pedanterie zu bezeichnen.Mck die Sorgfalt in der Pflege der äußeren Erscheinung ist nicht nothwendig Eitel-^ oft sw auch dazu führt, sondern das Bewußtsein, daß die Erscheinung derModruck der Gesinnung ist; sie beruht auf der Erkenntnis von der selbständigenBedeutung des Leibes und seiner Gestalt, und steht mit der Achtung gegen die Gesell-schaft in geradem Verhältnisse. — Was insonderheit unsere Volksschulen betrifft, so.ms; die Zeit noch kommen, wo man in denselben die äußere Ordnung für ebensol tvichtig hält, wie bei dem Militär. Militärisch soll gleichwohl die Ordnung in Haus
- « Schule und in Erziehungsanstalten nicht sein. Die gewöhnliche Erziehung hat jai Mst darauf hinzuwirken, daß durch die äußere Erscheinung imponirt werde. Sie be-
Geist der Ordnung zu pflanzen und läßt der persönlichen Eigenthüm-; Weit Raum, denn cs ist das Wesen der Ordnung, in jeder Tugend individuell zu
- M. Nicht daß die Hefte einer Schule alle dieselbe Gestalt und Farbe haben, sondern