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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Gefühlsstörungen.

mehrere Schülerinnen auf denselben Platz Anspruch machen können, wobeiallerdings ebenfalls aus Gerechtigkeitsgründen vorausgesetzt wird, dafsfür die Beurteilung nicht eine Einzelheit, sondern die Gesamterscheinungmafsgebend ist. Natürlich kann der Platz nur einer gegeben wer-den, und die andern müssen zurückstehen. »Die Kinder aber er-werben in der abhängigen Stellung, die ihnen bei starkem Selbstgefühlzukommt, einen feinen Instinkt für das Recht und Unrecht, welchesihnen geschieht 1 ).«

Es liefse sich zwar einwenden, dafs im Leben die Sache auchnicht anders liege; aber dem wäre zu entgegnen, dafs dieser Umstand

auch für die Nervenkraft der Erwachsenen sicher kein Vorteil ist, und

dafs kein Grund vorliegt, die gesundheitsschädlichen Einflüsse frühereintreten zu lassen, als es die Verhältnisse von selbst mit sich bringen.

»Gewichtiger erscheint es auf den ersten Blick, wenn man derLokation nachrühmt, sie bahne die richtige Auffassung des spätemLebens an, in dem ja auch die Rangordnung eine so grofse Rolle

spiele, und verleihe so der Schule einen propädeutischen Charakter.

Das ist zuzugeben, wenn man einräumt, es sei die Aufgabe der Schule,den Kindern möglichst früh die Augen zu öffnen für die Unvollkommen-heiten des irdischen Lebens. Denn dafs die Rangordnung, welche dasLeben bietet, nicht nach den Gesetzen der Ethik gemacht ist; dafs dieTüchtigen, wenn sie anspruchslos und bescheiden sind, oft tief untenstehen; dafs die Anmafslichen und Hochmütigen, dafs diejenigen, welchedas Klappern verstehen, sich in die ersten Reihen drängen; dafs wahrerWert nicht blofs von der grofsen Menge, sondern infolge menschlicherKurzsichtigkeit auch von denen, welche vielen ihrer Mitmenschen dieLebensstellung anzuweisen haben, oft verkannt wird; dafs Schmeichlerund Streber aber es über Gebühr weit bringen, wird niemand als einenvollkommenen Zustand ansehen wollen. Auch ist leicht einzusehen,dafs aus diesem Grunde die möglichst gerechte Lokation in der Schule,und diese wäre doch anzustreben, verhältnismäfsig am wenigsten fürdas Leben vorbereiten könnte. Erachtet man es aber als die Aufgabeder Schule, dafs sie in den jugendlichen Gemütern die idealen Mächtewachrufe und soweit stärke, dafs diese später, wenn infolge der Unvoll-kommenheit des Lebens die Ideale zu verkümmern drohen, stark genug

’) Emminghaus, Die psychischen Störungen im Kindesalter, S. 166.