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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Gefühlsstörungen.

besuchen, deren Zöglinge meist in der Lage sind, einen besonderrrAufwand in der Kleidung zu machen. Es besteht daher selbst mitRücksicht auf so kleine Dinge für den Lehrer die Aufgabe, alles zuthun, was die Wertschätzung von falschen Bahnen fern halten und indie richtigen lenken kann.

Bei Mädchen mit nervöser Anlage hat es gleichfalls seine Bedenken,wenn man ihnen Gelegenheit giebt, bei öffentlichen Veranstaltungen,wie Schulprüfungen u. dergl.,. sich hervorzuthun durch Deklamationen,Ausführen von Gesängen u. s. w. Freilich wird sich das nicht immervermeiden lassen, zumal eine beständige Zurücksetzung gleichfalls übelempfunden werden müfste. Eins aber liefse sich vermeiden, nämlichdafs die Namen von Schülerinnen, welche bei einer öffentlichen Prüfungetwas vortragen sollen, in dem gedruckten und in alle Winde verteiltenProgramm mit Namen genannt werden. Ein solcher Unfug, den sichmanche »höhere Töchterschulen« in schlauer Berechnung behufs Schüler-fanges gestatten, bedeutet geradezu eine Versündigung an gesunden wiean kränklichen Schülerinnen, denn er befördert nicht nur gewaltsamdie bei Mädchen ohnehin leicht zu hoch wachsende Schätzung dereigenen Person, sondern hat auch eine hochgradige Aufregung zurFolge, die auf das Nervensystem nicht günstig wirken kann. Wo erbesteht, da fehlt es vollständig an pädagogischem Sinne, und wir könnennur gering von derjenigen Mutter denken, welche ihr Kind in einederartige Anstalt schickt.

Aber selbst eine in den meisten Schulen sich vorfindende Einrich-tung erregt Besorgnis: die Rangordnung.

Es ist zwar keine Frage, dafs das Streben nach Erreichung einesmöglichst hohen Platzes eine Steigerung des Lernergebnisses herbei-führen kann; allein einmal bleibt zu erwägen, ob man zu einem der-artigen Reizmittel beim Unterricht seine Zuflucht nehmen darf; ob mannicht vielmehr durch die eigentümliche Gestaltung des Unterrichts einenLerneifer zu erzeugen vermag, dessen Wesen in der Hingabe an denStoff besteht, der auch dann nicht erlischt, wenn sich die Schulthürenhinter dem Zögling geschlossen haben. Dafs hier in unsern Schulein-richtungen etwas nicht in Ordnung ist, beweist der Umstand, dafs vieleSchüler, welche während der Schulzeit die ersten Plätze inne hatten,nach derselben den gehegten Erwartungen sehr häufig keineswegs ent-sprechen, ja hinter den Angehörigen der untern Schicht weit zurück-