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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Nervosität und Lehrverfahren.

winnen dadurch eine viel gröfsere Erhaltungskraft, als sie eine bunteSammlung aus den verschiedensten Perioden besitzen kann, und dieeinzelnen Persönlichkeiten treten inmitten ihrer Verhältnisse in vollstän-digen Bildern der Jugend vor Augen, während bei der herkömmlichenArt ihre Charakterzüge erst auf der Oberstufe in Eile zusammengestelltwerden können.

Der letztere Punkt ist von gröfster Bedeutung. Jean Paul bemerkteinmal im Hinblick auf den ruhelosen Verkehr in der Grofsstadt:»Man wird nur gegen den Menschen gleichgültig, wenn man ihn oftund nicht recht sieht, wenn man mit vielen umgeht, ohne mit einemrecht bekannt zu sein.« Sollte das nicht auch von den historischen Per-sonen gelten, die alljährlich oder alle zwei Jahre in bunter Reihe überdie Schwelle des kindlichen Bewufstseins eilen? Sollten nicht manchemSchüler die idealen Gestalten der Geschichte deshalb so erschreckendgleichgültig sein, weil er mit zu vielen nacheinander umging, ohne miteiner derselben recht bekannt zu sein ? Lieber eine Sache einmal,aber gründlich sich aneignen, als wiederholt, aber ohne tieferes Interessemit ihr sich beschäftigen 1 Was im Zögling eine Macht werden, wasmit seinen liebsten Gedanken und Gefühlen innig verschmelzen soll,das darf nicht flüchtig, wie die Bilder eines Kaleidoskops, und nichtisoliert an seiner Seele vorüberziehen, das mufs lange und anhaltendihn beschäftigen 1 ).

Schreitet der Unterricht im Laufe der Schulzeit in der angegebenenWeise stufenartig vorwärts, so bleibt auch für die notwendige Wieder-holung ein weites Feld. Zunächst hat jede spätere Stufe mindestensdie vorhergehende zu ihrer Voraussetzung und kann ohne diese nichthinreichend verstanden werden; eine Wiederholung ist hier also un-bedingt geboten. Sodann nötigt das von uns oben bereits beschriebeneUnterrichtsverfahren, besonders auf der ersten, dritten undfünften Stufe, zur Heranziehung dessen, was aus dem Unterricht (und•dem Leben) schon Eingang im Kindesgeiste gefunden hat.

Aber diese Art des Wiederholens ist weit entfernt von jenem

*) Lange, Über Apperception, S. 138. Eine ausgezeichnete Bearbeitung derbiblischen Geschichte in unserem Sinne hat Dr. Staude herausgegeben: »Prä-iparationen zu der biblischen Geschichte alten und neuen Testaments. 3 Bde. Dresden.18S3—1888.