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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Nervosität und Lehrverfahren.

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keiten Sorge zu tragen. Für die Erlernung einer guten Ausspracheund den Erwerb einiger Fertigkeit im mündlichen Ausdruck wird .dasin der Regel allerdings von nicht zu unterschätzendem Vorteil sein ; nurmufs man Bedenken tragen, den eigentlichen fremdsprachlichen Unter-richt jenen Damen anzuvertrauen, denn in den meisten Fällen kennensie die Grammatik ihrer eigenen Sprache nur ungenügend, noch vielweniger natürlich diejenige der deutschen, und wissen daher lange nichtso gut, worauf es dem Deutschen beim Erlernen einer Fremdspracheam meisten ankommt, wie der deutsche Lehrer, der die fremde Sprachemündlich weniger beherrscht. Da sie überdies von der Kochkunstgeistiger Nahrungsmittel in der Regel nichts verstehen, so braucht mansich nicht zu wundern, wenn sie ihren Schülern eine unverdaulicheKost vorsetzen, die auf das Organ des Geistes, das Gehirn, keinengünstigen Einflufs ausüben kann.

Damit soll durchaus nicht gesagt sein, dafs es nicht Ausländerinnengiebt, welche einen vorzüglichen Unterricht zu erteilen verstehen; aberda sie sehr selten sind, kommen sie nur in Ausnahmefällen in die Fa-milien, weil sie Gehaltsforderungen stellen und auch stellen dürfen,welche jene nicht befriedigen können oder nicht befriedigen wollen.In nicht wenigen Fällen mag die Sache annähernd so stehen, wie sieein Wiener Sittenprediger darstellt:

>; Man nimmt ein armes Mädchen aus der französischen Schweizins Haus, das seine Muttersprache nicht orthographisch schreiben kann,das dazu verwendet wird, um einerseits die Stube zu kehren und dieMöbel auszuklopfen, andrerseits die Kleinen zu lehren, betitelt sie de-monstrativ Demoiselle und hat eine Gouvernante. Früher war sie in•Genf vielleicht Tabaktrafikantin; das verschlägt aber nichts. DieBürgersfrau, die ihrem Hause eine solche Zierde verleiht, kann sicheiner Erzieherin rühmen, wie sie früher nur wenige adelige Häuser be-schaffen mochten 1 )!«

Mit Rücksicht auf die erwähnten Umstände haben die allermeistenöffentlichen hohem Mädchenschulen auf die Anstellung von ausländischenLehrkräften verzichtet. Wenn die pädagogische Bildung der inländischenauch noch sehr viel zu wünschen übrig läfst, so steht sie doch im all-gemeinen unvergleichlich höher, und die Leistungen sind erfahrungs-

') Gegen den Strom. Wien 18S8. Heft XX. S. 9.