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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Die Nervosität und das erste Schuljahr.

Anleitung vorwärts kommt, und ist andererseits der Schulunterricht einnaturgemäfser, derart, dafs er ebenfalls dem Kinde, nur noch in ge-regelterer Form, die richtige Anleitung zur Selbstthätigkeit gewährt, —dann kann es keinen schroffen und allein gesundheitschädigenden Über-gang mehr geben, dann ist die Schule, was sie sein soll: die natür-lich ansteigende Fortsetzung der bisherigen Lebens-weise 1 ).«

Will man dem kindlichen Geiste nicht Gewalt anthun und dennocheine festere Gestalt des Vorstellungslebens erstreben, so mufs man zurunterrichtlichen Behandlung Stoffe wählen, denen das Kind in besondershohem Mafse entgegenkommt, und worin könnten diese zunächst besserbestehen als in Erzählungen, vor allem in deutschen Volks-märchen?

Es fehlt zwar nicht an Stimmen, -welche sich gerade mit Bezugauf die Nervosität gegen die Verwertung der Märchen für das Kindes-alter ausgesprochen haben. So sagt Krafft-Ebing: »Die allzufrühe

Weckung der Phantasie durch Märchen und Geistergeschichten ist strengzu meiden 2 )«, und er stellt sie hinsichtlich ihrer Wirkung fast auf eine Stufemit dem schwarzen Mann und andern Spukgestalten; Nataly v. Esch-struth berichtet aus eigener Erinnerung, wie unheimlich ihr GrimmscheMärchen gewesen seien 3 ). Läfst man diese Einwände in einem ge-wissen Grade gelten, so mufs man doch sagen, dafs es eine grofse An-zahl Volksmärchen giebt, die nichts Gespensterhaftes an sich haben;es ist also nur in der Auswahl Vorsicht geboten.

Aus geeigneten Märchen lassen sich ohne Mühe feste Vorstellungs-reihen bilden und in sprachliches Gewand kleiden; bei ihren Einzelheitenverweilt das Kind gern, ohne sich von andern Gedanken stören zulassen. Dazu liegt in vielen von ihnen ein tiefethischer Inhalt, der auchnach der Seite der Gesinnung seinen Einflufs geltend macht.

Eine geringe Anzahl biblischer Erzählungen, besonders imAnschlufs an die kirchlichen Hauptfeste, die ja auch wahre Kinderfestesind, sowie Belehrungen darüber, wie das Kind bei den verschiedenen

D Loewenthal, Grundzüge einer Hygiene des Unterrichts. Wiesbaden 1S87.S. 119.

2 ) Krafft-Ebing, Über Nervosität, S. 44.

3 ) Unsere Lieblinge (Äufserungen von Frauen über Schriftsteller). Leipzig, beiAbel, 18S9.