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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
Entstehung
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Wesen der Nervosität.

des modernen Romans verschwunden, und an ihrer Statt führen Geistes-kranke und Lumpen einen immer tolleren Reigen auf. Ein bekannterfranzösischer Roman 1 ) spielt sich in der Nervenklinik Charcots ab,,von einer Reihe anderer französischer Romane, die ihren Schauplatznoch an ganz andere Orte verlegen, gar nicht zu reden.

»Dafs in diesem edlen Wettstreite die Bühne nicht Zurückbleibendurfte, versteht sich von selbst. Von den verschämten Anfängen einerCameliendame sind wir schon zu den wundersamen Produkten einesIbsen vorgeschritten, und die lieblichen Melodien Haydns müssen dersinnberauschenden Zukunftsmusik weichen« 2 ).

Man könnte sich versucht fühlen zu prüfen, ob alles, was Pelm anals Zeichen der Nervosität unseres Zeitalters ansieht, in Wahrheit SO'gedeutet werden müsse. Man würde zu den Bemerkungen über dieaufregende Litteratur unserer Tage noch den Hinweis auf den unglück-lichen Amerikaner Edgar Allan Poe fügen dürfen, dessen wahrhaftgeniale Schauergeschichten (Tales of Mystery and Imagination) jenseitsdes Ozeans und des Kanals ein sehr beliebter Lesestoff sind, und dessenkrankhafte Gedichte (z. B. The Raven) auch in England und bei unsBewunderer finden. Man könnte daran erinnern, dafs in der englischenLitteratur die Zeiten des Vicar of Wakefield längst vorbei sind, unddafs man sich jetzt an den Erzeugnissen eines Wilkie Collins, einesF. C. Philips ergötzt, die, wie man in Sachsen sagt, so »schmählichinteressant« sind, dafs man etliche von ihnen auch für die Bühne her-gerichtet hat, wo sie mit den französischen Ehebruchsdramen und denStücken des »jüngsten Deutschland« im Wettbewerb stehen. Und solltenicht auch die weitverbreitete Bewunderung der Gemälde eines Were-schagin für die Richtigkeit der Pelmanschen Behauptung sprechen? 3 )

Andrerseits wäre aber zu fragen, ob nur Nervöse aufregendenLesestoff, Schauerromane, geräuschvolle Musik, »realistische« Bilderlieben; ob dies nicht auch bei kerngesunden Naturen, die auf einerniedern Bildungsstufe stehen, der Fall ist. Die Wendung, dafs es »mit

“) Jules Claretie, Memoires d’un interne.

2 ) Pelman a. a. O. S. 12.

3 ) Mantegazza, Das nervöse Jahrhundert, S. 99: »Wir haben eine nervöse

Litteratur, eine nervöse Politik, eine nervöse Philosophie«.