Leseunterricht.
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empfiehlt für den Anfang die alleinige Vorführung der kleinen Buchstaben. In deneigentlichen Leseübungcn beobachtet er in feiner Fibel folgenden Stufengang: „EinfacheSylben n) der Mitlautcr voran, d) der Mitlauter hintennach. Einfache Wörter, n) cin-sylbige, b) zweisylbige, e) mehrsylbige. — Unechte Buchstaben (c, q, x, pH, ß) und Ans-sprache derselben. — Dehnungszeichen. — Schärfungszeichcn. — Sylben mit zwei Mit-lautcrn n) am Anfänge, d) am Ende, o) an beiden Stellen zugleich. — Sylben mitmehreren Mitlautern. — Besondere Aussprache des ch wie k. — Uebungcn im Sylben-abtheilen. — Leseübungen mit kleineren Sätzen. — Kleine Erzählungen." Die Vor-züge der Stephanischen Methode fallen in die Augen. Einmal wird der Unterschied.zwischen Laut und Buchstab klar und deutlich festgestellt und jeder dahin gewiesen, wohiner gehört, der Laut in den Lese-, der Buchstab in den orthographischen Unterricht. Dannläßt sich das anzuwendendc Verfahren mit wenig Mühe ancignen und führt die Schülerschneller zum Ziel, als die früheren, zum Thcil sehr complicirten Methoden. Endlichnimmt die Methode dauernd die Sclbstthätigkeit des Schülers, nicht bloß sein Gedächtnisin Anspruch und hält so Lust und Eifer desselben rege. — So konnte es nicht fehlen,daß Stephanis Methode sich bald verbreitete und die späteren Leselehrarten zumeist nurals Zweige und Ausläufer derselben erscheinen. Immerhin aber lassen sich auch nach.Stephanis Auftreten noch Anknüpfungen an frühere Bestrebungen erkennen, namentlichwurde noch eine weitere Verfolgung des von Olivier eingeschlagenen Weges versucht.Hier sei namentlich des Schuldirectors Johann Friedrich Adolf Krug (1771—1843)und des Schulraths Karl August Zeller (1774—1846) gedacht.
Nach Krug besteht die Aufgabe des Unterrichts darin, die Fertigkeit im Sprechenund Lesen durch das bestimmteste „Bewußtsein alles dessen, was hierzu durch dieModificationen der einzelnen Sprachorgane geschehen muß, hervorzubringen und zusichern." Nach einer „Vorübung zur Aufmerksamkeit und Organbewegung überhaupt,"die im taktwetzcn Vor- und Nachsprechen besteht, und deren Hauptzweck die Schärfungder Aufmerksamkeit und die Gewöhnung der Schüler an ein gemeinschaftliches undpünctliches Handeln ist, beginnt die „Hebung der Sprachwerkzeuge," und zwar findet1) „Tonbildung," d. i. die Bildung der Vocale, 2) „Articulationbildung," d. i. dieBildung der Consonantcn oder „Bestimmungen," 3) der Aufbau von Sylben, Wörternund Sätzen durch Verbindung von Tönen und Bestimmungen statt. Bei den „Tönen"unterscheidet Krug „Grundtöne" (u, o, a, e), „Nebentöne" (ü, ö, ä, i) und „ge-zogene Töne" (au, äu, ai). Die „Articulationen" („Bestimmungen"), welche nachKrug „1) vermöge einer gegenseitigen Bewegung und Lage der verschiedenen Sprach-werkzeuge, der Lippen, Zähne, der Zunge und des Gaumens und 2) durch einen ausden Lungen hervorgehenden Stoß der Luft, die ihren Ausweg entweder durch denMund oder durch die Nase nehmen kann," entstehen, theilt er ein in „Verschlüsse,Tonlante, reine Laute und Hauche." Die Verbindung der Laute zu Sylben undWörtern geschieht anfänglich in der Weise, daß der Lehrer dem Schüler die Lauteangicbt, welche er vereinigen soll, wobei die Vocale wirklich ausgesprochen werden,während bei den Consonantcn nur angegeben wird, welcher Art dieselben sind. Handeltes sich also z. B. um Bildung des Wortes „schade," so spricht der Lehrer: „ScharferZischlaut und a!". Schüler: „scha." L.: „Sanfter Zahnschluß und e!" Sch.: „de."L.: „Zusammen!" Sch.: „schade." — Erst wenn die Schüler durch diese Ncbungenso weit gefördert sind, daß sie auf Kommando jede Lautverbindung vorzunehmen ver-mögen, lernen sie die Buchstaben kennen, und das Lesen gedruckter Schrift beginnt. —Die Krug'sche Methode gewann wenig Boden, denn diese „Lehrweise des Lesens inder von dem Meister gegebenen Ausdehnung geübt, verlängert zur Ungebühr die Lese-zeit bei der Jugend, hat für dieselbe nicht geringe Schwierigkeiten, und zuletzt lernenviele Zöglinge immer nicht besser und richtiger lesen als durch Hülfe jeder andernguten Lautmethode." So urtheilt Karl Gottlob Hergang, der Krug und seine Methodesehr wohl kannte, denn er fährt an der angezogencn Stelle fort: „Ich bin mit demErfinder selbst längere Zeit in Verbindung gewesen, habe die Methode selbst aus undnach seinem Munde kennen gelernt, auch sie bald auf längerem, bald auf kürzeremWege ausführen gesehen, aber niemals völliges Wohlgefallen an ihr gefunden, so daßich oft bewogen wurde, sie einen Versuch zu nennen, das Lesenlernen auf eine schwereWeise zu erleichtern. — Sie hat daher sowohl in^Leipzig, wo sie zuerst an der Bürger-