Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Lehrerkollegium.

Art sind, oder auch verschiedene pädagogische Lckandpuncte repräsentiren; für dieSchule ist damit nicht viel gewonnen, indem die Gegensätze durch Concentration aufwenige Gruppen sich verstärken und deshalb auch schwieriger auszusöhnen sind. Abersehr oft kommt es nicht einmal zu solchen Sonderbündnistcn; es gehen vielmehr alleihre besonderer Wege, es weiß und will keiner etwas von dem andern. Man kenntsich kaum äußerlich, von einem innerlichen sich Nahestehen oder Verstehen ist keineRede, von einem Austausch der Ansichten über die vielen gemeinschaftlichen Interessendes Berufs keine Spur. Wie in einer Fabrik findet sich jeder zur bestimmten Zeitan seiner Stelle ein, die er vielleicht mit aller Gewissenhaftigkeit ausfüllt, soweit esda möglich ist, wo sich keiner um den andern im geringsten kümmert. Sogar zwischenLehrern von Einer Classe können solche Verhältnisse bestehen; man bespricht sich nichtüber den Stand der Schüler weder im allgemeinen, noch im einzelnen, weder überMethode noch über Disciplin, nicht einmal findet eine gemeinsame Regelung der Auf-gaben statt, ein Uebelstand, in welchem die so oft beklagte Ucberbürdung der Schülertheilweise ihren Grund hat. Doch dieses gleichgültige Nebeneinanderhergehen ist nochnicht das Schlimmste; denn es giebt Anstalten, wo sich die Kollegialität zu einemdauernden Kriegszustand verzerrt hat, indem bald einer gegen alle und alle gegen einensind, bald wenigstens mit wechselnden Rollen immerfort kriegführende Parteien sichvorfindcn. Da werden bei zufälligen Begegnungen sogar unter den Augen der Schülernicht einmal die allgemeinsten geselligen Rücksichten beobachtet. Der eine benimmtsich , als ob der andere gar nicht anwesend wäre, oder grüßt höchstens in einem Tonund mit einer Haltung, die nur das deutlich ausdrücken, daß man mit WiderwillenNotiz von des andern Gegenwart nimmt. Diese Geringschätzung, dieser verbisseneHader lodert aber auch oft in Helle Flammen auf, oder macht sich wenigstens ingeringschätzendcn Aenßerungen über die Gegner vor der ganzen Classe, an öffentlichenOrten ohne Bedenken Luft. Solche Zustände können bestehen, ohne daß ihnen durchein unmittelbares Einschreiten beizukommen ist; und doch wie nachtheilig und verderb-lich muß ihre Wirkung auf das Ganze sein! Was zunächst die Lehrer selbst betrifft,so entgeht ihnen nicht nur der Segen gegenseitiger Aufmunterung und Unterstützung,sondern es werden auch in so widerwärtigen und unleidlichen Verhältnissen eine Mengebesserer Kräfte aufgezehrt; man verliert die Freude an Privatstudien und geht mitUnlust in die Schule. Und welchen Gewinn mögen unter so bewandten Verhält-nissen die unter günstigen Umständen so wichtigen und einflußreichen Convente brin-gen! Das Beste daran wird sein, daß sie so selten und so kurz als möglich gehaltenwerden.

Welchen Einfluß wird aber ein so uneiniges oder wenigstens nicht einiges Lehrer-collegium auf die Schüler selbst äußern? Sicherlich keinen guten; empfinden mäßensic ihn, sei es auch unbewußt. Wenn der Schüler bei Personen, die ihm für alleseine Lebensaufgaben zum Muster dienen sollen, statt Eintracht und Harmonie, Spal-tung und Zerwürfnis warnimmt, so ist dies an sich ein schlimmes Beispiel der ärgstenArt, das ähnlichen verkehrten Neigungen und unsittlichen Gesinnungen in ihm Nahrungund Stärkung, vielleicht sogar die Entstehung giebt.

Die schlimmen Folgen eines.so abnormen Zustandes werden aber natürlich imUnterrichts- und Erziehungsgeschäft selbst am handgreiflichsten hervortreten. Von über-einstimmenden, gemeinsam durchdachten und besprochenen Gesichtspunkten in Beziehungauf das Bildungszicl der ganzen Anstalt und der einzelnen Elasten, auf Methode undDisciplin rc. wird kaum die Rede sein können. Man wird deshalb meistens auch hierjeden seinen eigenen Weg gehen sehen. So mag cs kommen, daß ein Lehrer denHauptwerth auf etwas legt, was der andere nicht nur iu der That, sondern auch mitlauten Worten, selbst vor den Schülern, geringschätzt; und es ist eigentlich noch alsein besonderes Glück anzusehen, wenn der Wechsel vom Schlechten zum Guten geht;es giebt ja auch eine Mannichfaltigkeit im Verkehrten. Nicht weniger buntscheckig mußes dann auch mit der Handhabung der Disciplin aussehcn. So kann es geschehen,daß die Schüler Jahre lang in den verschiedensten Richtungen hin und her gestoßenwerden, sie müßen lernen und verlernen, sich etwas angewöhnen und dann wiederabgewöhnen, sie kommen in kein sicheres Geleise, das Gute kann keine tiefen Wurzelnschlagen, ihr Charakter keine feste Gestaltung erlangen. Wie viele edle Blüten auf