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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Kinderglaube.

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formell, dem subjektiven, psychologischen Charakter nach) permanent mache, sonderndem Zögling als Protestanten ein klares Bewußtsein von dein Wahrheitsgrnnde seinesGlaubens beibringe, so ist damit zwar das Glauben auf Auctorität, das heißt dasVertrauen auf die Wahrheit glaubwürdigen Zeugnisses nicht ausgeschlossen, aber esist hier schließlich doch die eigene, auf innerem Geistcszcugnis und eigener geistlicherLebenserfahrung beruhende Ucberzeugung, die sich durch das Zeugnis der Vorgängernur stärkt und den Werth desselben anerkennt. Achnlich verhält es sich auch mitder andern oben berührten Seite der wache, wornach der Glaube des Kindes analogist dem poetischen Wohlgefallen an Dingen, die über die gemeine Wirklichkeit übcr-greifen. Dein Kinde muß selbstverständlich cingcprägt werden, daß hier nicht Gebildedichtender Phantasie, sondern Worte und Thaten Gottes gegeben sind, daß diese Wunder-welt eine Wirklichkeit höherer Drdnung ist, die darum nicht mit bloßein Wohlgefallen,wie ein Märchen, sondern mit Ehrfurcht betrachtet sein will. Alle dem aber,worin der Kinderglanbe sich erst läutern und befreien muß, um Maunesglaube zuwerden, steht ein Gebiet des religiösen Lebens, das eigentliche Hciligthum desselben,gegenüber, in welchem auch der Mann nichts besseres haben kann, als den Glaubeneines Kindes. Das ist das Gottvertraueu in seiner rein praktischen Gestalt, in seiner un-mittelbarsten Beziehung aufs Leben. Wenn das Kind mit irgend einem kleinen oder großenAnliegen seine Zuflucht zum lieben Gott nimmt; wenn es darauf vertraut: der Vater imHimmel hört alles, was ich ihm sage, und es ist ihm ein Kleines, alles zu thun, was erwill, das ist der rechte, echte Kinderglaube. Diesen Glauben sich zu bewahren, das istauch des Mannes Ausgabe und Segen; das Kindliche daran ist jene Treuherzigkeit,die dem himmlischen Vater alles zutraut, und die darum auch dem Glauben denCharakter einer beständigen Fröhlichkeit gicbt. Sofern aber das rechte Gottver-trauen auch die volle Ergebung in sich saßt, scheint der Kindesglaube hinter demMannesglauben zurückzustehen. Ein Kind weiß sich in die Nichterfüllung eines Wun-sches um so weniger mit Gelassenheit zu finden, weil es überzeugt ist, es wäre jaGott ein Kleines gewesen, denselben zu erfüllen. Daß auch ein Ucbcl zum Bestengereiche, das zu glauben, fällt dem Kinde schwerer, weil es überhaupt vielmehr in demaufgcht, was der Augenblick bringt. Dafür tritt aber an diesem Punct die oberstealler Kiudcstugenden, der Gehorsam, in die Lücke. Beim Manne muß das anderssein, weil seinem Vertrauen bereits die Erfahrung und die männliche Einsicht zurStütze dient; indessen würde auch der Mann unter Umständen sehr versucht sein, seinVertrauen wanken und fallen zu lassen, wenn er sich nicht der Pflicht unbedingtenGehorsams erinnerte.

Eine eigenthümliche Schwierigkeit liegt aber darin, daß auf christlichem BodenGlaube und Vertrauen auch für Gottes Wort in dem speciclleu Sinn, in welchemdieser Begriff mit der heil. Schrift als Buch identisch ist, gefordert wird. ^ DerKinderglaube trägt alle schlechthin fehlerlose Vollkommenheit, die er Gott und seinemThun zutraut, auch auf das Buch über, das die Kirche als Gottes Wort prädicirt.Den Unterschied, daß ich vollkommen willig sein kann, alles als Wahrheit hiuzu-nehmen, was mir Gott sagt, aber daß ich erst Prüfe, ob dasjenige, was nach kirch-licher Tradition als Gottes Wort gilt, dieses wirklich ist und allein und vollständigist: diesen Unterschied macht der Kinderglanbe nicht. Jenes Vertrauen nun istdennoch kein blindes; es wird, je mehr man in die Bibel sich einlebt, desto mehr be-stärkt; es kann aus diesem Wege sich zu einem solchen Bibellebcn cutivickcln, daß mangar kein anderes Wissen und Denken mehr hat, als was aus der Schrift geschöpftist und auf sie zurückführt. In solchem Falle ist der Kindcsglaube permanent ge-worden, aber er hat seine L-tütze doch nicht mehr bloß au der Auctorität oder gar ander Gewohnheit, sondern am eigenen geistlichen Leben. Wie das Kind sich in seinemVertrauen zu jemand, dem es dasselbe einmal geschenkt hat, auch durch Ungleichheitenim Benehmen, durch einzelnes befremdliche nicht stören läßt: so läßt sich der religiöseKinderglanbe auch durch diejenigen Eigenschaften der h. Schrift, die der menschlichenForm/der zeitlichen Geschichte ihrer Abfassung angchörcn, im mindesten nicht beirren;solche Dinge, aus welche der kritische Spürsinn fahndet und aus denen er allerleiSchlüsse zieht, wird der Kinderglaube größtentheils gar nicht gcwar; und wenn ihmje auch dies und jenes ausfalleu will, so erregt das keinen Zweifel noch Verdacht,