Fenslo».
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sehen, bald mündlich wicdergeben, in mancherlei Weise nachbildcn und damit um sosester ancignen. Anstatt die intellectuelle Entwicklung des Knaben durch besondereReizmittel zu beschleunigen, was bei einem so lebendigen Geiste leicht zur Ueberreizuughätte führen können, brachte er den empfänglichen Zögling, indem er ihm in besonnenerAuswahl und angemessener Reihenfolge, auch bei Gesprächen, bei Spielen, bei Tafel,auf Spaziergängen die anmuthigsten Gegenstände vor das Auge führte, zu zusammen-hängendem Nachdenken, zu einer gewißen Stetigkeit im Verarbeiten des Aufgefaßten.Unter solchen Hebungen entwickelten sich die Anlagen des Knaben mit großer Schnellig-keit; auch sein Charakter befestigte sich immer mehr. Als indes an die Stelle über-großer Lebhaftigkeit eine fast auffällige Schüchternheit trat, die wohl aus der Sorgevor Uebereilungen kam und allmählich in Abneigung vor öffentlichem Auftreten über-gieng, war Fsnslon wieder sorgsam bemüht, den Prinzen an freien Verkehr mit denMenschen zu gewöhnen. Das früher zuweilen heftig hervorbrechende Mitgefühl füranderer Leid wußte er zu edler Humanität zu verklären. Uebrigens war der Herzogspäter allezeit sehr geneigt, sich selbst scharf zu beobachten und harte Wahrheiten, die manihm sagte, gelassen aufzunehmen. Besonders empfänglich erwies er sich für religiöseUnterweisung, aus der er bald auch starke Motive zur Abwehr des Bösen wie zurKräftigung im Guten ab leitete.
Die Entwicklung des jugendlichen Fürsten war in der erfreulichsten Weise geför-dert, sein Gemüthsleben zum Tröste für alle, die den launenhaften, unlenksamen Knabengesehen hatten, wie umgewandelt worden, als Fsnslon, durch Bossuet's Eifersuchtund Leidenschaft in unglückselige Streitigkeiten verwickelt und eines schwärmerischenQuietismus angeklagt, das Vertrauen des Königs verlor und Versailles verlassenmußte (August 1697). Der königlichen Weisung gemäß begab er sich nach Cambray s. o.Hier schien ihm zunächst jede Möglichkeit directen Einflusses auf den geliebten Zöglingabgeschnitten. Allein wie so oft in ähnlichem Fall, gerade jetzt vollendet sich dergeistige Rapport durch das freilich wider Willen öffentliche Erscheinen der „Abenteuerdes Telemach," eines Erziehungsromans, dessen Vollendung eben in die Zeit fällt,wo Fsnslon unmittelbar auf seinen Zögling nicht mehr wirken konnte und nun umso mehr das Bedürfnis fühlte, wenigstens noch mittelbar die Bildung des Thron-erben vollenden zu helfen. Darüber kann kein Streit sein, daß dies Werk für denZweck, dem es dienen sollte, außerordentlich gut berechnet war, und daß dieser Zweckwar, dem künftigen Könige von Frankreich zu zeigen, wie umfassend und schwierig dieeinst zu lösende Aufgabe sei und welcher Einsicht und Kraft er bedürfen werde, umdurch die Gefahren seiner Bahn hindurchzukommen. Es war eine grobe VerkennungFenslon's, wenn man in den Schilderungen des Buchs eine hämische Satire aufLudwig XIV. und seine Regierung suchte. Die Geschichte dieses „Fürstenspiegels",seiner Uebcrsetzungen und der Nachbildungen, die er veranlaßte, würde Gegenstandeiner sehr ausgedehnten Darstellung werden können, wie denn auch ciue historischeBetrachtung der rein pädagogischen Benützung desselben sehr lehrreich sein müßte.
Aber — nochmals seltsames und gleichwohl gerechtes Verhängnis! — solche Treueund solche Arbeit eines solchen Erziehers sollte einem solchen Lande keine Fruchttragen. Unter den erschütternden Ereignissen, welche den königlichen Palast verödeten,sank auch der Prinz von Bourgogne in jähen Tod (Februar 1712). Fsnslon, im tiefstenHerzen verwundet, — das Leben und der Tod des Prinzen war in der That dasLeben und der Tod Fsnelon's — schloß seitdem mit der Welt ab und wandte alleGedanken, alle Sehnsucht dem Frieden der Ewigkeit zu. Am 7. Jan. 1715 vollendeteer sein reich geschmücktes, vielgeprüftes Leben.
Fsnelon's beste Biographie ist noch immer cks Lanssst, Listoirs äs Vsnslon(llar. 1808, 3 Bde. 8. 2. Ausgabe 1809), deutsch bearbeitet von Feder (Würz-burg 1811 f. 3 Bde.) und von Wunderlich (Hamburg, Rauhes Haus, 1873).
Ferien (Schulferien). Sobald das Unterrichtswesen eine gewiße Ausdeh-nung und Stetigkeit gewonnen hatte, trat auch das Bedürfnis ein, zu gewißen ZeitenSchülern wie Lehrern Erholung zu schaffen. Bei der reichen Entwicklung des neuernllnterrichtswesens mußte dieses Bedürfnis immer mehr hervortreten. Von den Schul-ordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts an hat daher die Schulgesetzgebung diesemGegenstände immer wieder sorgfältige Aufmerksamkeit gewidmet, und die darauf bezüg-