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Eitelkeit.
Schau getragene Frivolität, Geringschätzung der Sitte, Nachläßigkeit im Aeußerndie Aufmerksamkeit auf sich ziehen, weil er dadurch interessant wird und sich überdie Vorurtheile der gewöhnlichen Menschen erhaben zeigt (Diogenes). Das Be-wußtsein wirklicher Vorzüge dagegen, das freilich leicht das richtige Maß überschreitet,nennt man Stolz; dieser bedarf der fremden Anerkennung nicht, weshalb man wohlvon jemand sagen kann, er sei zu stolz, um eitel zu sein. Die unbegründete hoheMeinung vom eigenen Werth heißt Einbildung oder, bei den höheren Graden, Dünkel.
— Ueber seine Mängel sucht der Eitle sich und andere zu täuschen (über die körperlichendurch Schminke, modische Kleider n. s. w., über die geistigen durch eingelernte geistreichePhrasen); er gefällt vor allem sich selbst, der Genuß des eigenen Werthes macht ihnvergnügt. Dieses Wohlgefallen an sich selbst wird bestärkt durch das fremde Lob,daher der Eitle, im Unterschied von dem Ehrliebenden, dem es um wirkliche Ehre beiandern zu thun ist, schon mit den leeren Zeichen fremder Werthschätzung, mit dem,was die conventionellen Formen der Höflichkeit mit sich bringen, ja oft schon mit demGedanken, daß er überhaupt beachtet werde, was ihm mit Bewunderung gleichbe-deutend ist, sich begnügt. Er nimmt so sehr den Schein für das Wesen, daß auchdas Lob und die Bewunderung von Unwissenden oder von solchen, die ihn nur zumBesten haben und ihn vielleicht für ihre eigennützigen Zwecke benützen wollen, ihnbefriedigt.
So proteusartig die Eitelkeit in ihren Erscheinungsformen ist, so verschiedeneGrade hat sie auch; zwischen dem, dessen ganzes Dichten und Trachten von ihr be-herrscht wird, und dem sonst wackeren Manne, der in irgend einer äußerlichen Beziehungeine Schwäche dieser Art an sich hat, giebt es viele Zwischenstufen. Darum erstrecktsich auch ihr Scepter gar weit, über jeden Stand und jede Bildungsstufe, jedes Alterund Geschlecht. Es giebt alte und junge Gecken, es giebt Knaben und Jünglinge,die eben so gern vor dem Spiegel stehen, als Mädchen. Ueberall aber ist die Eitel-keit ein Fehler, der den Menschen nicht nur lächerlich macht, sondern auch seinen sttt- !lichen Werth und Gehalt vermindert und, wo sie höhere Grade erreicht, vernichtet. ^
Es geht aus dem Bisherigen hervor, daß falsche Selbstliebe und unrichtige Werth- ;urtheile theils über das eigene Subject und was an ihm ist, theils über das Lob !
anderer die beiden Hauptbestandtheile der Eitelkeit sind. Hieraus ergeben sich die j
wichtigsten Regeln für den Erzieher. Das beste Mittel gegen die falsche Selbstliebe ^
in den Kindern besteht darin, daß aufrichtiges Wohlwollen, aufopfernde, thätige Liebe j
und Empfänglichkeit für alle höheren Interessen, also vor allem herzliche Frömmigkeit !
in dem Kreise herrsche, dem sie angehören; in diesem Geiste liegt eine Macht, die mehr ^
wirkt, als jedes symptomatische Verfahren, sowie umgekehrt der Einstuß einer auf eitle j
Dinge gerichteten Umgebung, putzsüchtiger Mitschülerinnen re. auch für eine weise ^Erziehung schwer zu überwinden ist. Unter sittlich lauteren Menschen heranwachsendkann der Zögling am ehesten gegen die Eigenliebe in seinem Innern streng sein lernen, ^
so daß er unlautere Motive als solche erkennt und bekämpft. — Die Urtheile über ^
den Werth der Dinge wird der Zögling ebenfalls besser aus der Handlungsweise des !
Erziehers entnehmen und sich aneignen, als aus seinen Belehrungen; doch sind inweiser Beschränkung auch diese nicht überflüßig. Es ist gut, wenn der Erzieher demZögling gelegentlich ohne persönliche Anzüglichkeiten zeigt, was für Eigenschaften denMenschen wirklich zieren und welche gar keinen oder einen nur untergeordneten Werthhaben; er thut wohl daran, wenn er es dem Kinde lebhaft vor die Seele stellt, daßGott das Herz ansieht und nicht das, was vor Augen ist, daß nur köstlich vor ihmist „der verborgene Mensch des Herzens unverrückt mit sanftem und stillem Geist,"daß sein bestes Thun weit hinter dem Sollen zurückbleibt und das wirklich Gutedaran nicht sein Verdienst ist, wenn er in Bezug auf die Handlungen der Menschenden Blick des Zöglings von der Oberfläche aus das Innere, von der Schale auf denKern lenkt, dabei aber auch über löbliche Eigenschaften von geringerem Werth gerechtund billig urtheilt, damit seine Warnung vor Ueberschätzung derselben bei dem Zög-ling leichteren Eingang finde (vgl. auch den Art. Bescheidenheit). Ein richtiges Ur-theil über den Werth der Dinge wird auch dadurch befördert, wenn der Zögling frühezu ernsten Beschäftigungen angehalten und Sinn und Streben auf edle Zwecke gerichtetWird, gerade wie es ihn andererseits zu falschen Werthurtheilen und damit zur Eitel-