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Das Chronikon des Konrad Pellikan zur vierten Säkularfeier der Universität Tübingen
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j. Zur Charakteristik des Chronikons und des Chronisten.

Ex omnibus autem virtutibus, quas plurimas habuit et maximas,,nulla fuit admirabilior una modestia, qua ceteras quasi condiebat etornabat. Insolentia enim, quae saepe pulcherrimas virtutes obfuscatobvelatque, longissime ab hoc homine semper abfuit. Mit diesenWorten schildert Joh. Fabricius a. a. O. nicht bloss den Grundzugvon Pellikans Wesen, sondern er gibt damit auch die Grundfarbe desBildes an, welches Pellikan von seinem eigenen Leben entworfenhatte, nämlich eine ausserordentliche Bescheidenheit. Das Wort, dassein Freund Konrad Gesner a. a. O. von ihm braucht, findet auchauf seine Selbstbiographie die vollste Anwendung:citra ullum fucumaut ostentationem, denn es ist in ihr auch nicht eine Spur von Selbst-^ Verherrlichung zu entdecken. Es sind wirklich anspruchslose Jugend-erinnerungen, ergänzt durch ein leider nur sehr skizzenhaftes undnicht mehr eben übersichtliches Bild seiner vielgestaltigen Wirksamkeitin Zürich.

Oft müssen wir die bescheidene Zurückhaltung des Autors fastbedauern. Wir würden z. B. gerne mehr von seinen Beziehungen zuden Männern hören, die nun einmal jener Zeit das Gepräge gegebenhaben und mit denen Pellikan nach seinen eigenen Andeutungenund nach sonstwo erhaltenen Zeugnissen in vertrauterem Verkehrgestanden hat: Erasmus, Luther, Zwingli, Calvin; 1 ) dagegen könntenwir füglich manche Familiennachrichten entbehren, obgleich geradeauch unter diesen mehrere Miniaturbilder von grossem kulturhistori-schem Werth sich befinden: ich mache bloss auf die einlässlichenNachrichten über Pellikans Oheim, Jodokus Gallus, den FreundReuchlins, aufmerksam.

Eins ist jedenfalls unbestreitbar: was Pellikan uns gibt, das trägtden Stempel einer grossartigen Objektivität und unbefangener Wahr-

') Eine Ausnahme ist die sehr interessante Schilderung, die Pellikan S. 77von seinem Verhältniss zu Franziskus de Angelis gibt.

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