XXVI
j. Die Kommatiare.
Im Oktober 1524 hatte Johann ßugenhagen von Wittenberg ausan Oekolampad geschrieben (ep. Oec. etZwingl. p. 176): „saluta quaesoamanter Pellicanum nostrum, admonens, ut non cesset ex Hebraicisconferre, quae potest, ad sanum scripturarum intellectum, quandonon passim multis datum est quod ei datum videmus“. Dieser Auf-forderung, seine linguistischen Studien immer mehr für die biblischeExegese fruchtbar zu machen, fing Pellikan schon in Basel an nach-zukommen, indem er speziell für Genesis und Psalmen nach derRichtung der Textkritik und der wortgetreuen Uebersetzung emsigarbeitete. In Zürich brachte die Verpflichtung seines Amtes undsein Antheil an dem Werke der dortigen Bibelübersetzung 1 ) es mitsich, dass er diese Thätigkeit nach und nach in den Jahren 1528 bis1530 Uber das ganze Alte Testament ausdehnte. Die Veröffentlichungder so entstandenen Erklärung des Alten Testamentes lag vorerstnicht in der bestimmten Absicht des Verfassers. Indessen überarbeiteteer das Ganze sofort nochmals und zwar in der Weise, dass er demGerippe der wissenschaftlichen Exegese eine dogmatische, ethischeund theilweise auch homiletische Betrachtung der einzelnen Stellenund Abschnitte einfügte. Und nun Hess der unternehmende Frosch-auer, der es überhaupt — wie früher die Basler Druckerherren —trefflich verstand, Pellikan gegen keine oder nur sehr geringe Honorarefür Indices und Korrekturen aller Art auszubeuten, nicht nach, bisPellikan sich wenigstens dazu entschloss, einen Versuch zu machen,ob seine Art der Verbindung wissenschaftlicher und praktischer ExegeseAnklang finde. Er wählte dazu das Büchlein Ruth, dessen Auslegungim Sommer 1531 gedruckt und im Verlauf weniger Wochen bei einerAuflage von Soo Exemplaren ausverkauft war. Vgl. S. 123 ff. Jetzt fingnatürlich das „Pressen der Presse“ erst recht an und hörte nicht auf,bis alle 7 Folianten des Pellikanschen Bibelwerkes erschienen waren.
*) Vgl. hierüber das sofort anzuführende treffliche Buch von Mezger.