heitsliebe. Dem Gerüchlz. B., das seine Gesinnungsgenossen ausgestreut rals wäre Paul Scriptoris von den Mönchen vergiftet worden, tritt erenergisch entgegen; dem Provinzial Satzger, der ihm in Basel böseTage bereitet, setzt er für alle seine sonstigen Verdienste ohne Grollein schönes Denkmal; und für die Leistungen eines Erasmus bleibtsein Blick trotz festem reformatorischem Bewusstsein ungetrübt. Fastnoch bewundernswerther als diese Grossherzigkeit hinsichtlich desGegners ist das neidlose Lob, das Pellikan seinen Kollegen zu spendennicht müde wird. Dass es ihm, dem Kinde des Friedens, in derUmgebung des edeln Bullinger ganz besonders wohl war, ist leichtzu begreifen. Ein besonderes Zeichen seines schönen Charaktersaber ist es, dass er dem viel jüngern Bibliander gegenüber auch nichtdie mindeste Eifersucht zeigt, obwohl dieser als Hebraist gewisser-massen sein Konkurrent war. Allein es scheint damals überhaupt injenen Kreisen Zürichs eine beneidenswerthe Harmonie geherrscht zuhaben. Das Chronikon entwirft von dem dortigen kirchlichen undwissenschaftlichen Leben ein prächtiges Bild, das um so farben-reicher ist, als eine wahrhaft staunenswerthe Menge der interessantestenMänner aus Süd und Nord nicht bloss vorübergehend, sondern währendMonaten und Jahren darin erscheinen.
Kein Wunder, dass Pellikan aus diesem Kreise heraus selbst demschmeichelhaften Ruf, der von Tübingen her durch seinen Freund Ambr..Blaurer an ihn erging, nicht Folge leisten mochte. Schnepf war zumMindesten kein Bullinger. Dass Pellikan im-Chronikon gänzlich von.der ehrenvollen Anfrage schweigt, ist ein neuer Beweis seinesbescheidenen Sinnes. - Und da Dr. Theod. Pressei in seiner Mono-graphie über Ambr. Blaurer, S. 392 ff., aus der betreffenden Korre-spondenz der beiden Männer das Wichtigste bereits mitgetheilt hat,,so haben wir nicht nöthig, hier auf den Hergang einzugehen.
Als 20 Jahre später Pellikan einem höhern Ruf Folge leistete,wurde er in Zürich schmerzlich vermisst: sein Nachfolger machteBullinger grosse Noth, und Biblianders Thätigkeit war von da angänzlich verbittert. Auch im fernen Ausland fühlte man, dass Zürichdurch Pellikans Tod unendlich viel eingebüsst. Der Friesländer