103
engen Raum durchmeffen hatte! Wiederkehrende Gesund-heit ergoß sich durch seine Adern; eine milde, Wohlwol-lende, himmlische Freude überströmte sein Herz. War dieZeit schon gekommen, wo die alte Florimel zu Schnee zer-schmolzen, wo die neue und ächte, mit ihrem warmenLeben, ihrer zarten Schönheit, ihrem jungfräulichen Lie-besreichthum, vor seinem hoffenden Auge anfgestiegenwar? Er blieb Vor dem Fenster stehen; der Raum seinesZimmers schien ihm so eng, die Nacht draußen so ruhigund lieblich, daß er die noch nicht ganz geschwundene Krank-heit vergaß, und das Fenster öffnete; die Luft spielte mildund frisch um seine Schläfe, und der Kirchihurm undseine Spitze schienen ihm jetzt zum erstenmal nicht so düsterzum Himmel hinanzustreben. Selbst umKatharinenS Grab-stein, halb im Mondschein, halb im Schatten, schien ihmein Lächeln zu schweben. Das Andenken seiner Mutterhatte sich ihm mit der lebenden Fanny verknüpft.
„Du bist gerechtfertigt — dein Siduey ist glücklich,"murmelte er. „Ihr gebührt der Dank!"
Freundliche Hoffnungen und süße Gedanken in seinerSeele, blieb er an dem Fenster stehen, bis die zunehmendeKühle ihn au die Gefahr mahnte, der er sich aussetzte.
Am nächsten Tag, als der Arzt ihn besuchte, fand erwieder Fieber. Biele Tage war Philipp wieder in Gefahr— stumpf, bewußtlos selbst für Fannys Tritt und Stimme.
Endlich erwachte er wie aus einem langen und tiefenSchlaf; erwachte so erfrischt, so neu belobt, daß er so-gleich fühlte, eine große Krisis sey vorüber, und er
8 *