welcher er liebte, aber wenn Camilla's Gefühle im Standewaren, den glühenden und leidenschaftlichen dieser starkenund heftigen Natur zu entsprechen — so waren solche Ge-fühle eben noch nicht bei ihr entwickelt — das Herz desWeibes konnte noch halb verhüllt sehn vom Schleier derjungfräulichen Unschuld. Philipp selbst war zufrieden; erglaubte sich geliebt; denn es ist die Eigenthümlichkeit derLiebe in einem großen und edeln Herzen, sich abzuspiegeln,und ihr eignes Bild in den Augen zu sehen, in die sie blickt.Wie der Dichter einem gewöhnlichen Evaskind idealeSchönheit und Trefflichkeit leiht, weniger das Wesen ver-götternd, welches ist, als dasjenige, das er in seinerPhantasie gestaltet, so wirft die Liebe, die uns Alle eineZcitlang zu Dichtern macht, ihr himmlisches Licht über einvielleicht in der Thal kaltes Herz, und wird verblendet,zu einem wonnevollen, falschen Glauben verleitet ebendurch den Glanz, womit sie ihren Gegenstand umgibt.
Je mehr jedoch Camilla Philipp sah, je mehr sie(allmälig ihre frühere geheimnißvolle und abergläubischeScheue vor ihm überwindend), mit seiner eigenthümlichenCharakter- und Denkweise vertraut wurde, um so miß-trauischer begann sie zu werden gegen die Behauptungihres Vaters: er habe durchaus ihre Hand als Preis —als Ersatz — als ^lequivalent für das Opfer einer grim-migen Rache verlangt. Und mit diesem Gedanken kam nochein anderer. War sie dieses Mannes würdig? — täuschtesie ihn nicht? — sollte sie nicht wenigstens ihm bekennen,daß sie eine frühere Neigung gehabt, wie entschlossen sie