Druckschrift 
3 (1840)
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

86

aufsinden, was der Stätte würdig wäre. Das Amphi-theater ward erst dann erbaut, als die Geschichte zn einemVerzeichnisse der Laster nnd der Entwürdigung des Men-schengeschlechtes wurden war. Der Faun und die Dryadewaren vom Erdboden entwichen; kein holder Aberglaube,der Glaube der Grotte und des begrünten Hügels, vcrmogtedas Thun dcS Menschen mit einem zarten und nimmersterbenden Zauber zn stempeln. Auch vcrmogten die rau-heren, aber erhabenen Tugenden des Hcldenzeitalters nicht,der Sage vom Schwibbogen und der Säule irgend eineaufregende Erinnerung oder einen erhebenden Gedankenbcizngebcn. Nicht nur die Gluth der Phantasie, sondernauch die Größe der Seele war dahin; der alleinige Tri-umph, der dem Genie noch geblieben scyn mogtc, war, ansseinen Blättern die düstern Laster zu verzeichnen, die dieAnnalen der Welt ausmachtcii. Tacitnö ist der Historikerdes Colosseums. Allein eben die Dunkelheit des Vergan-genen verleiht den in jenem Ungeheuern Gebäude aufstei-genden Gedanken einen kühne», wiewohl trauernsvollenCharakter. Ein Gefühl des Umfangreichen und Ocde, wo-für wir beim Hinblicken keine Worte finden können, dasnns jedoch Gedanken znführt, zn denen unsere höheren Fä-higkeiten uns nicht leiten mögten, beschleicht uns, währendwir auf die Titanreliquie gigantischer, für immer von derErde entschwundener Miffethaten schauen.

Und was für Stimmen schweben nicht blos innerhalbdieses Schauplatzes, sondern auch rings um denselben her,auf den Fittigcn der Lust? Jener Triumphbogen Constan-