Druckschrift 
3 (1840)
Entstehung
Seite
76
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„Keineswegs; ich dachte an Dich, ehe die Prophc-zciling laut ward."

„Aber Dein Vater, liebste Lucilla, weissagte mirHindernis! und Täuschung tu der Liebe: hatte er nicht Un-recht? bin ich nicht gesegnet durch Dich?"

Lucilla warf sich tu die Arme ihres Geliebten, undfinsterte, indem sic ihn küßte: „O, daß ich Dich glück-

lich machen könnte!"

Folgenden Tages reisete Godolphin nach Rom ab.Lucilla war beim Abschiede von ihm niedergeschlagener,als sie je zuvor cs hatte sehn können. Der Winter nahetcjetzt allgemach heran, und das Wetter war kalt undunfrenndllch. Jenes Jahr gab sich überhaupt ungewöhn-lich regnig und stürmisch, und wenn nun der Wind LncillcnSeinsame—jetzt, ach! vollends einsame Wohnung nm-henlte, oder die schweren Regentropfen in den Sec plät-scherten, da schauderte sie vor ihren eigenen trüben Ge-danken zurück, und fürchtete das Düster und die Einsamkeitder immer mehr sich längcrndcn Nächte. Zum ersicnmaleseit ihrer Vereinigung mit Godolphin wendete sie sich derGesellschaft der Bücher zu, aber sie that es trostlos.

Schriften aller Art fanden sich für sic vor; jedochkeine Blattfeite hatte mehr wie früher Retz für sie. Han-delte das Buch nicht von Liebe, so hatte es kein Interesse;handelte es von Liebe, so bednnkte die Schilderung der-selben sic matt und irrig. Stoch Keiner hat die Liebe sogeschildert, daß cs einem Anderen völlig genügt hätte.Einigen ist die Schilderung zu üppig, Anderen zu all-