Druckschrift 
7 (1847)
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

3K

Gehirns äußern; bei der vollkommene» Einsamkeit, in wel-cher der größere Theil des Tages verging, nahmen HelenensTräumereien einen erhabeneren Charakter an, als jemalszuvor. Selbst ihre Zärtlichkeit für Percival erhob sich weitüber das Gefühl, so rein »nd edel es auch stets gewesen,mit welchem sein Bild sie bisher erfreut hatte; ihre Liebewurde unaussprechlich feierlich, sie hörte gänzlich und plötz-lich auf, sich mit irdischen Ausfichten zu vermischen. Ineiner Art Entzückung oder Traumerscheinung glaubte fieseine Zukunft enthüllt zu sehen; fie sah ihn in seinem thä-tigen ManneSalter und als schwachen Greis; fie beugtesich über sein Sterbelager und hörte das Geläut zu seinemBegräbniß. Aber auch diesen düster» Traumbildern mischtesich kein Schmer; bei. Sie sah sich selber, bei ihm lebend,obwohl auS dem Leben geschieden; nicht als eine Todte,sondern wie eine, die der Tod nicht erreichen kann; sieumschwebte ihn, flüsternd, tröstend, veredelnd, erhebend, wiewen» fie der unauflöslichen Vereinigung entgegenharrte.Da schien auf Augenblicke der Genius in ihr, welcher sichnie hatte aussprechen und bethätigen können, mit ihr zuverkehren, wie ein anderes Wesen, und durchdraug ihreSeele mit einer Sprache, die nicht aus Worten, sondernaus wortlosen Melodieen bestand. Und auf dieser Musik,wie auf dem, was die Deutschen so schön die Tonleiter nen-ne», schien fie Stufe um Stufe emporgetragen zu werden,bis, gleich einer gewaltigen Landschaft unter einer Berg-höhe, die Schöpfung auSgebreitet unter ihr lag und sie dieSphäre nun erkannte, welche der Genius zuvor nicht ge-