Druckschrift 
11/14 (1846)
Entstehung
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I Sie nicht mehr viel zu lehren, und mache Ihnen meins Compliment; solche Kenntnisse sind selten bei den Frauen/''Oh! ich gestehe," erwiedcrtc Frau von Villcfort,

ich habe die heftigste Leidenschaft für die verborgenenWissenschaften, welche wie eine Poesie zu der Ein-bildungskraft sprechen und sich wie eine algebrischc Glei-chung in Ziffern auflösen; ich bitte Sie, fahren Siefort, was Sie mir sagen, interessirt mich im höchstenGrade/'

Nun wohl," fuhr Monte Christo fort,setzen Sie,dieses Gift sei Brucin, und Sie nehmen am ersten Tagein Milligramm, am zweiten zwei Milligramme, so ha-ben Sie nach Verlauf von zehn Tagen ein Centigramm;nach Verlauf von zwanzig Tagen ein weiteres Milli-gramm beifügend, haben Sie drei Centigramme, dasheißt eine Dose, welche Sic ohne Beschwerde ertragenwerden, während sic bereits für eine Person, welchenicht dieselben Vorsichtsmaßregeln getroffen hätte, sehrgefährlich wäre. Nach Verlauf eines Monats endlichwerden Sie, Wasser aus derselben Flasche trinkend,die Person tödten, welche zugleich mit Ihnen von diesemWasser getrunken hat, ohne an etwas Anderem, alsan einer leichten Unbehaglichkeit wahrzunchmcn, daßirgend eine giftige Substanz mit dem Wasser vermischtgewesen ist."

Sie kennen kein anderes Gegengift?"

Ich kenne keines."

Ich habe oft die Geschichte von Mithrtdates gelesen,hielt sie aber stets für eine Fabel," sprach Frau vonVillcfort nachdenkend.

Nein, Madame, cS ist gegen die Gewohnheit derGeschichte eine Wahrheit; doch was Sie mich da fra-gen, Madame, ist nicht das Resultat einer bloßen Laune,den» Sie richtete» bereits vor zwei Jahre» ähnlicheFragen an mich, uns. Sie sagen mir so eben, seitlanger Zeit beschäftige Sic die Geschichte von Mithri-dateö."