Druckschrift 
11/14 (1846)
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

19g

Es ist Wahr, mein Herr, die zwei Lieblingsstudienmeiner Jugend waren Botanik und Mineralogie, undals ich später erfuhr, die Anwendung einfacher Heil-mittel erkläre häufig die ganze Geschichte der Völkerund das ganze Leben der Menschen des Orients, wie dieBlumen alle ihre Liebesgedankcn erklären, so bedauerteich, daß ich kein Mann bin, um ein Flame!, ein Fon-tana oder ein Cabanis zu werden."

Um so mehr," versetzte Monte Christo,als dieOrientalen sich nicht, wie Mithridates, damit begnügen,sich aus den Giften einen Panzer zu machen, sondernsich auch einen Dolch daraus bilden; die Wissenschaftwird in ihren Händen nicht allein eine VerthcidigungS-,sondern häusig auch eine Angriffswaffe; di« eine dientihnen gegen die physischen Leiden; die andere gegen ihreFeinde; mit dem Opium, mit der Belladonna, mit demHaschisch verschaffen Sie sich im Traume das Glück,das ihnen Gott in Wirklichkeit verweigert hat; mit derfalschen Angosturarinde, mit dem Schlangenholz, mit demKirschlorbeer schläfern sie diejenigen ein, welche sie gernverstummt sehen möchten. Es ist nicht eine von jenenFrauen, welche Sie hier gute Weiber nennen, mag sicnun Aegyptierin, Türkin oder Griechin sein, die nicht imFelde der Medici» einen Arzt in Erstaunen zu setzen undim Gebiete der Psychologie einen Beichtvater zu erschreckenwüßte."

Wirklich!" rief Frau von Billefort, deren Augenbei diesem Gespräche von einem seltsamen Feuer er-glänzten.

Ei, mein Gott! ja, Madame," fuhr Monte Christofort,die geheimen Dramen des Orients schürzen undentwickeln sich so, von der Pflanze, welche lieben macht,bis zur Pflanze, die den Tod bereitet, von dem Tranke,der den Himmel öffnet, bis zu demjenigen, welcher einenMenschen in die Hölle versenkt, und die Kunst dieserChemiker versteht cs auf eine bewunderungswürdigeWeise, das Mittel und das Nebel mit den Liebeöbedürf-