172
drückte; „es ist wahr, Sie sind ein redlicher Freund.Aber Sic haben am Ende nur mit dem Gefühle IhresInteresses gehandelt, mein lieber Marimilian; Sie wnß-ten wohl, daß der Sklave von dem Tage an, wo er be-gehrlich würde, Alles verlieren müßte. Sie haben mirdie Freundschaft eines Bruders versprochen, mir, die ichkeine Freunde besitze, mir, die ich von meinem Vater ver-gessen, von meiner Stiefmutter verfolgt werde, mir, dieich als einzigen Trost nur den unbeweglichen, stummen,eisigen Greis habe, dessen Hand meine Hand nicht drückenkann, dessen Auge allein zu mir spricht und dessen Herzohne Zweifel mit einem Nebcrrcstc von Wärme für michschlägt, Bitterer Hohn des Geschicks, das mich zur Fein-din und zum Opfer von allen denjenigen macht, welchestärker sind als ich, und mir einen Leichnam zur Stützeund znm Freunde gibt! Oh!, wahrlich Marimilian, ichwiederhole Ihnen, ich bin sehr unglücklich, und Sie habenRecht, wenn Sic mich um meiner selbst willen und nichtum Ihretwillen lieben,"
„Valentine," sprach der junge Mann mit tieferRührung, „ich sage nicht, daß ich Sie allein auf derWelt liebe, denn ich liebe auch meine Schwester undmeinen Schwager, aber mit einer sanften, ruhigen Liebe,welche in keiner Hinsicht dem Gefühle gleicht, das ichfür Sie hege: wenn ich an Sic denke, wallt meinBlut, schwellt sich meine Brust, überströmt mein Herz;doch diese Kraft, diese Gluth, diese übermenschliche Macht,ich werde sic anwendcn, um Sie bis zu dem Tage zulieben, wo Sie mir sagen, ich solle sie in IhremDienste verwenden, Herr Franz d'Epinayl wird, wieich höre, noch ein Jahr abwesend sein; wie viele gün-stige Wechselstelle können uns in einem Jahre ersprieß-lich werde», wie viele Ereignisse können uns unterstüken!Hoffen wir also, es ist so schön und süß, zu hoffen!Doch mittlerweile, Valentine, was sind Sie, die Sie mirmeine Selbstsucht zum Vorwurfe machen, was sind Siefür mich gewesen? Die schöne und kalte Bildsäule der