zeitig der Zoll auf Garne erhöht wurde und die einfachen Ar-tikel, bei denen es weniger auf Schönheit des Stoffes, Neuheitund Geschmack des Musters als vielmehr auf den niedrigstenPreis ankam, wurden rasch von den meisten Märkten ver-drängt.
Die Fabrikanten hatten rechtzeitig die Nothwendigkeiterkannt, den untergehenden Artikel zu verlassen; sie begannenbaumwollene Rock- und Hosenzeuge mit so grosser Energieherzustellen, dass die Hosenstoffe im Jahre 1838 schon einDrittel aller Etablissements beschäftigten und in den 1840erJahren fast den einzigen Artikel der Industrie bildeten. Aber dieKonkurrenz Sachsens, Würteinbergs und Badens entriss Gladbachnamentlich vermöge der billigeren Löhne auch diesen Artikel,und durch die Baumwolltheuerung während des amerikanischenKrieges und durch schlechte Qualitäten kam derselbe soherunter, dass er in den 1860er Jahren als kaum vorhandenbezeichnet werden konnte. An seine Stelle traten die Biber-und halhwollnen Stoffe r ) in den 1840er und 1850er Jahren,welche sich bis heute erhalten haben. Dazu kam im Jahre1867 die Zanellaweberei und im letzten Jahrzehnt hat mandie baumwollenen Rock- und Hosenzeuge wieder aufgenommen.Der Antheil der einzelnen Artikel an der Gesammtproduktionist je nach den Konjunkturen grossen Schwankungen ausgesetzt.Gemäss einer Statistik der Gladbacher Handelskammer fürihren Bezirk vom Jahre 1874 stellten 17 Fabriken auf 458Kraftstühlen 82342 Stück Nessel und auf 1693 Stühlen 321680Stück Biber, Ombre und dergleichen im Gesammtwerth von10% Milk Mark her; bedeutender war die Buntweberei, welchein 51 Fabriken 4661 Stühle beschäftigte und 540529 Stückfür 18 Milk Mark anfertigte. Dagegen gingen am 1. Deeember1875 im Kreise Gladbach in der Weissweberei 3217, in derBuntweberei 3067, am 1. April 1878: 1990 bezw. 3131Kraftstühle.
Die Gladbacher Industrie ist vorzugsweise auf die Her-stellung wohlfeiler Bekleidungsstoffe für die Landbevölkerungund die Arbeiter angewiesen. Das Erforderniss der möglichstenBilligkeit, um das Absatzgebiet zu erweitern, und die Fähig-keit der Artikel, bei der Regelmässigkeit ihres Geschäftsgangesund der Massenhaftigkeit ihrer Produktion grosse Kapitalanlagenstetig auszunutzen, führten bald zur Einführung der mecha-nischen Spinnerei und Weberei. Die erstere schliesst sich anein Fabrikat, welches im Jahre 1840 auftrat, an den sogen.Baumwollbiber, einen Stoff aus dünner und festgedrehter Kette
J ) Es wurden halbwollne Waaren producirt 1852: 100000 Stück' für1 l U Milk M., 1853: 135000 Stück für IV 3 Milk M. — 1864 gingen in16 Fabriken 1070, 1866 in 20 Fabriken 1400 Kraftstühle auf halbwollneZeuge. — Die Zanellaweberei beschäftigte 1872: 7([Fabriken mit^450 Stühlen,auf rein wollene Stoffe gingen einige 100 Stühle.