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2. II.
beiten sie stets für ein paar Finnen zu gleicher Zeit, uni beimScliiffbruch der einen doch an der andern eine Stütze zu fin-den, — eine Kalkulation, welche oft dadurch gekreuzt wird,dass der Fabrikant gerade solche Weber am ehesten still setzt,weil er glaubt , dass sie bereits von einem andern Beschäftigungerhalten und dass dabei seine Muster abgeguckt oder seineBobinen, namentlich die schwarzen, verwechselt werden. Oderdie Weber harren bei einem Hause aus und hoffen in Folgejahrelanger Geschäftsverbindung Berücksichtigung zu verdienen,worin sie sich aber oft bitter getäuscht sehen 1 )- Prämien undPensionen für alte Weber zählen zu den rühmlichen Ausnahmenbei einigen Firmen mit soliden und ehrenwerthen Geschäfts-usancen, so z. B. bei II. vom Bruck Söhne (Seyff'ardt) u. A.Im allgemeinen fühlt man sich auf beiden Seiten jeder Ver-pflichtung baar nach Ablauf des Vertrages.
Das patriarchalische Verhältniss, welches bis in die 1840erJahre hinein existirte und auch noch formell durch die Behülf-scheine aufrecht erhalten wurde, ist durch die häufigen Krisenund wiederholten Arbeiterwechsel, vollends im letzten Jahrzehnt,als aufgelöst zu betrachten. Die Fabrikanten behandeln ihreWeber durchaus geschäftsmässig und halten sich von jeglicheranderen Verpflichtung als von dem Lohnzahlen für geleisteteArbeit befreit. Es mangelt durchaus die Auffassung, wonachdie Arbeiter als Gleichberechtigte anerkannt werden, derenFührung und Erziehung von den geistig und wirthschaftlichhöher stehenden Kaufleuten in die Hand genommen werdenmüsste. Es fehlt diesen sowohl an socialem Pflichtgefühl wiean sittlicher Energie, an jenen psychischen Eigenschaften, welcheals Grundlagen von veränderten Rechtsauffassungen die socialeLage und den persönlichen Verkehr beeinflussen; sie geborenmit ihrer Gefühlsweise einer überwundenen socialpolitischenEpoche an und bewegen sich mit den Webern in ganz ver-schiedenem Ideenkreise, sie missverstehen sich gegenseitig undfinden beim Umgänge oft Streit und Hader. Darum überlassendie grossen Kaufleute, welche durch die Leitung des kauf-männischen und allgemein technischen Geschäfts vollauf inAnspruch genommen sind, die Verhandlungen mit den Ar-beitern ihren Commis und Werkmeistern. Obwohl die letzterenaus den gebildetsten und tüchtigsten Elementen der Arbeiter-
1 ) So sagte der Kommis eines Hauses zu einem Weber, welcher31 Jahre für dasselbe gearbeitet batte: llir seid schon alt und müsst Euchanders beschäftigen! Her Weber glaubte aus diesen Worten die Aussichtauf eine leichtere Arbeit entnehmen zu dürfen, brachte ganz erfreut dieGerätbe zurück und blieb nun stehen, um die fernere Entscheidung abzu-warten. „Worauf wartet Ihr denn?“ Ich hoffte doch auf ein anderesWerk in der Fabrik! „Solche alte Leute brauchen wir nicht mehr; sehtzu, wo Ihr anderweit Arbeit findet!“ Zum Glück erhielt der Mann, der31 Jahre für das Haus gearbeitet hatte, Beschäftigung bei einer andernFirma.