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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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beträchtliche Anzahl Arbeiter aus anderen Gewerben zurSammetfabrikation über. Diese Weberei ist äusserst leicht zuerlernen und wurde so ausserordentlich hoch bezahlt, dassz. B. ein elfjähriger Knabe in Viersen am Sammetbandstuhl5 Groschen täglich verdiente, andere Knaben brachten essogar 'auf 10 15 Groschen und die Männer verdienten67 Thaler wöchentlich. Allenthalben fehlte es an Arbeitern,besonders den jungen Firmen; Fabrikanten und Kommis zogenaufs Land hinaus, durehstrichen die Dörfer und beredetenJedermann, Weher zu werden. Waren die Arbeiter nichtdurch ein gewöhnliches Gespräch zu fangen, so bestellten siesie ins Wirthshaus; versagte auch dieses Mittel, so war diebeliebteste und wirksamste Lockspeise dieserSeelenverkäufer,Geld als Vorschuss anzubieten, welches später abgearbeitetwerden sollte; schon engagirte Weber wurden durch Angebotehöheren Vorschusses abspenstig gemacht; das Vorschussgebenwar zu einem periodisch wiederkehrenden Werbemittel ge-worden. Wie gewonnen, so zerronnen! Wucherisch erhalten,wurden diese Summen auch leichtsinnig verausgabt; fast niezu dauernden Anlagen verwendet. gingen sie in Spiel undTrunk wieder auf; die Kurzsichtigen waren es, welche dieVorschüsse annalnnen. Nicht weil die Arbeiter Vorschüsse be-durften, wurden sie ihnen ausgetheilt, sondern ihren Leicht-sinn benutzend, wurden dieselben ihnen fast aufgedrungen.Da gal) es Seidenweber mit zwei bis drei Stühlen, die mit60100 Thalern, andere mit sechs Stühlen, die mit 200 bis300 Thalern belieben waren. Dieses System herrschte vorallem auf jenem Grenzgebiet zwischen Viersen und Gladbacheinerseits und Erkelenz, Heinsberg, Waldfeucht anderseits, wodie Sammet- mit der Baumwollenindustrie in einen Kampf umdie Weber trat. Crefeld war stets der angreifende Theil; inunregelmässigen Ueberfällen drang es in des phlegmatischenFeindes Land ein und suchte dessen Arbeiter sofort thatsäch-licli wie rechtlich in Fesseln zu schlagen, damit sie beimRückgang der Löhne nicht wieder fortgingen. Das Vorschuss-wesen war schon alt, von grösserer Bedeutung wurde es erstbeim Aufschwünge der Sammetindustrie in den Jahren 18431844 und gelangte zur üppigsten Entfaltung 1853 und in denfolgenden Jahren.

So lange die Konjunktur eine günstige blieb, war an einZurückfordern des Vorschusses nicht zu denken: ein andererKaufmann hätte denselben gern auf das Arbeitsbuch über-nommen. Das Buch war ja dem Arbeitgeber Bürgschaft ge-nug; ohne dasselbe konnte der Weber andere Beschäftigungnicht finden und es trieb ihn, so lange er noch ehrlich war,endlich der Ilunger wieder zur Arbeit und er beeilte sich,so rasch als möglich ein Stück zu liefern, um entweder zurAbrechnung oder zu einem neuen Vorschuss zu gelangen. Trat