II. 2.
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stehende Junggesellen, Männer mit schwächlichen Frauen sindzumeist darauf bedacht, Mädchen auf ihren Webstuhl zu be-kommen. Die Frau wird eventuell in die Fabrik geschicktund die Gehülfin besorgt die Küche und die übrigen Haus-arbeiten; finanziell ist das eine glückliche Speculation. DerMeister, der den ganzen Tag mit der letzteren allein in einerStube arbeitet, tritt bald mit Versuchungen an sie heran; dieBegabung der aus den ärmeren Ackerbaudistricten herüber-gekommenen Mädchen ist eine sehr geringe, die Verführunghat bei ihnen leichtes Spiel und sie werden bald die Beutedes Mannes. Es sind Fälle vorgekommen, wo fremde Mädchenund zwar im Alter von 16 Jahren im Ehebruch geschwängertworden sind. Die Frau, die jedesmal von Eifersucht gequältnach Hause zurückeilt, tobt und wüthet und stürzt sich, daihr durch den Hinweis auf die Nothwendigkeit des Doppel-verdienstes die Unmöglichkeit einer Aenderung vorgehaltenwird, schliesslich selbst in die Arme der Unzucht. In andernFällen ist die Fabrikarbeit der Frau auf die Faulheit desMannes zurückzuführen, der obwohl arbeitsfähig während ihrerAbwesenheit die Pfeife im Munde und die Schnapsflasche zurSeite über dem brodelnden Kessel wacht oder sonst im Hauseherumdämelt.
Während der Meister am Webstuhl sitzt, säubert seinWeib ihm die Kette von allen Knötchen und Unreinlichkeitenund die Kinder sitzen auf einem Schemel vor dem Spulradeund lassen durch ihre Trittbewegung die Fäden von der grossenBobine auf die kleinen Spulen ablaufen, die in dem Schiffchenbefestigt werden, mit welchem der Vater durch die Kettfädenschiesst. Ihre Arbeitszeit ist eine sehr verschiedene. t EinSammetweber, welcher wenig einzuschiessen hat und viel Zeitbei dem Aufsclmeiden der Decke verbraucht, setzt täglich dasSpulrad etwa auf zwei Stunden in Bewegung, ähnlich einWeber von schwierigen Stoffen; dagegen geht bei einem Webervon glatten Seidenstoffen das Spulrad den ganzen Tag unddann muss noch die Mutter helfen. Je mehr Stühle im Web-winkel und je weniger Kinder, desto länger bleiben die Kleinenan die Arbeit gefesselt und auf sie passen die Schreckensbilder,wie sie namentlich die Gladbacher Baumwollfabrikanten ent-werfen. Kinder von fünf Jahr an sitzen dann in der unbe-quemsten Lage, mit zusammengezogenen Beinen und gebücktemRücken in überfülltem Raume am Spulrade und versäumendarüber die Schule. Oder falls sie dieselbe auch besuchen,müssen sie oft um 6 oder halb 7 Uhr Morgens an die Arbeit,so dass sie z. B. in Hüls gar keine Fortschritte machen, weilsie schon ermüdet in die Schule kommen; in den Freistundenund des Abends bis 8 Uhr wird den kleinen Fibelschützenkeine Ruhe gegönnt und Eltern mit grosser Kinderschaar sendeneinige davon in grössere Werkstätten, um das tägliche Brot