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II. 2.
Ruhe und die hohen blauäugigen Frauen, die verdeckten Körbemit den Bobinen auf dem blonden Haupte tragend, bewill-kommnen den Fremdling mit freundlichem Gruss. Und ge-langen wir gar nach Crefeld selbst, so verräth uns die Er-scheinung jedes Arbeiters, jedes Gespräch und in der Mussezeitauf den Strassen nicht am Wenigsten die Färbergesellen,nach ihren Händen die Schwarzen, die Rothen und die Blauengenannt, dass in diesem Mittelpunkte die Spinne hängt,welche ihre seidenen Fäden von der Maas bis zur Mosel undüber den Rhein hin aussendet und alle Ortschaften auf denBergen wie in der Ebene in ihr je näher liegendes, destoenger geflochtenes Netz einbezogen hat.
Vor zwei Jahrhunderten stand kein Seidenwebstuhl in derGegend. Die Leinweberei, längst zurückgedrängt aus ihrenanderen Sitzen, gewährte in Crefeld wie im rheinischenTieflande ihren Dienern nur ein kärgliches Auskommen;der Verlust des Absatzes in England in Folge der KonkurrenzIrlands, verbunden mit der Entwickelung der Seidenweberei,griffen ihre Existenz in den Grundvesten an. Die Leinweberverschwinden in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts: dieeinen flüchten sich in Gegenden mit Völligeren Lebensanfor-derungen wie Viersen und Jülich; andere bleiben in der Stadt,verbrennen ihren Stuhl. sie strecken die Waffen und gebensich an’s Seidenweben; die dritten, trotzige und unvernünftigeGesellen, setzen den Kampf gegen des Lebens Noth mit demLeinwebstuhl fort, ihr Tumult im Juni 1741 ist das letzte Auf-flackern vor gänzlichem Erlöschen, sie sterben, die veraltetenWaffen in der Hand.
Die Leinweberei war das Einzige, woran die neue Industrieanknüpfen konnte; doch war die Technik, namentlich beimSammetweben, eine wesentlich andere und weder der Lein-nocli der Tuchstuhl waren zum Seidenweben zu gebrauchen;im Grunde brachte der Leinweber nur die Gewohnheit desStillesitzens mit. Sonst fehlte Alles. Der Rohstoff wie dieTechnik entstammten fremden Ländern, die Färberei undAppretur befanden sicli in fernen Städten, vor Allem fehltees an Kapital, um das Unternehmen zu beginnen, die Werk-zeuge zu beschaffen, die Arbeiter auch in schlechten Jahrenzu bezahlen. Um so höher ist das volkswirthschaftliche Ver-dienst derjenigen Familie, welche mit einer in hundert Jahrennicht ermüdenden Thatkraft jene Industrie in’s Leben gerufenund entwickelt hat, welche heute eine Zierde Rheinlands ist,Deutschland durch seinen Fleiss versorgt, beide Hemisphärensich tributär gemacht hat und auf dem Weltmarkt einen ge-achteten Namen führt.
Heinrich von der Leyen, ein holländischer Mennonit, er-