Von grossem Einfluss auf die Lage der letzteren Gruppenist das rheinische Creditwesen. Dasselbe hat die Entwicklungder Industrie ausserordentlich gefördert, indem es bis zu20 Procent des Umsatzes Credit gewährt. Viele Fabrikanten| hatten mit Hülfe dessen in der Zeit des Aufschwungs ihre.i Operationen über ihr Vermögen ausgedehnt und sind daherarg verschuldet; ihre Abnehmer sind es vielfach nicht minderund beanspruchen nicht nur den in Aachen üblichen Creditvon sechs, sondern sogar in einzelnen Fällen von 18 Monaten.Dadurch wird jeder geregelte Geschäftsverkehr erschwert.1 Zunächst werden die Fabrikanten genöthigt, beim Einkauf der1 Rohstoffe längere Fristen für sich in Anspruch zu nehmen;] das zwingt sie wiederum, sich an Zwischenhändler zu wenden,
( namentlich können sie die Wolle dort nicht einkaufen, wo sieam besten und billigsten ist. Die Banken ihrerseits, theilsvon ihren eigenen Gläubigern gedrängt, theils die Noth derSchuldner und die Gelegenheit, frühere Verluste wieder ein-zuholen, benutzend, theils in der Absicht, sich grössere Sicher-| heit zu verschallen oder zweifelhafter Schuldner zu entledigen,| theils um ihre Kunden, von denen sie merken, dass sie lohnende| Wechsel anderweit billiger discontireu lassen, zu zwingen, dieseOperationen bei ihnen selbst vorzunehmen, um so am DiscontireuI wie an den Provisionen zu verdienen, — legen den Fabrikanten| erschwerende Bedingungen auf. So sollen beispielsweise statt| 6 Procent bei einem Jahresumsatz von 100000 Mark, 7 Procent| gefordert und die Bedingung auferlegt worden sein, 150000 M.mit dem Banquier umzuschlagen. Man hat mich versichert,dass mindestens 30 kleine Geschäftsleute in Aachen durch eini ähnliches Verfahren zu Grunde gerichtet worden sind, abge-i sehen von den geheimen Schäden, welche andere erlitten. Mit| der Reichsbank können die kleineren Häuser nicht so leichtarbeiten, weil sie die erforderlichen Sicherheiten nicht zu bietenvermögen.
Der Wechsel der Mode hat jede Gruppe in verschiedenemMaasse betroffen. Die alten und grossen Firmen sind von dem-’j selben wenig berührt worden; sie decken noch heute den| Haupttheil der auswärtigen Nachfrage nach glatten Stoffen.J Um den Rest derselben entbrannte eine heftige Concurrenz| im Inlande; jeder Fabrikant suchte seinen Antheil zu erbeuten,;;j theils durch Drücken des Lohnes, theils durch Verschlechterungder Waare. Aber die Portionen genügten nicht; die Einenj wurden auf den Weltmarkt hinausgedrängt und begannen inj Konkurrenz mit den alten Firmen zu treten; die Andern sahen.1 sich vor die Nothwendigkeit gestellt, der Fabrikation vonKammgarnstoffen sich zuzuwenden. Für die Kaufleute mitüberwiegend hausindustriellem Betriebe war dieser Uebergangtechnisch unschwer zu vollziehen: sie brauchten nur eine