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II. 2.
Verträge brechen. Die Löhne erreichen eine unerhörte Höhe;aber man braucht „Hände“, sei es von Bauern oder Meistern,sei es von Piemontesen oder Rheinländern, von 'Weibern oderKindern: was sie leisten, bleibt sich gleich. Man muss nurdarauf losproduciren, soviel man kann, und verkaufen, wasman hat; denn gekauft wird Alles. Die Arbeitszeit wird auf16—17 Stunden verlängert; ja, es wird Nachts und sogar Sonn-tags fortgearbeitet, bis der Arbeiter zusammensinkend vor Er-schöpfung, sich selbst den blauen Montag schafft, da ihm dasrastlose Weberschiffchen keine Pause gönnt. Diese „Unzuver-lässigkeit“ der Arbeiter und die Beschränkung der Kinder-arbeit, das Steigen der Woll- und Arbeitspreise, sie sind derTropfen Wermuth in den Kelch von funkelndem Golde desFabrikanten.
Der Glanzpunkt der Konjunktur ist erreicht. Schon werdenauf die Erwerbsart der gleissenden Gewinne unheimlich dunkleSchatten geworfen durch die Klagen über den Missbrauch derKinder- und Frauen-, der Nacht- und Sonntagsarbeit, wie siein den massenhaften Petitionen an den Reichstag 1872 und1873 ihren Ausdruck finden, und durch die lauten Beschwerdenüber die mangelnde technische Bildung der Arbeiter, ihre Ver-tragsbrüche, über Schwinden von Treue und Glauben in derGesellschaft.
Im Jahre 1873 tritt der Rückschlag ein. Die Produktionmuss eingeschränkt, die Arbeiterzahl vermindert werden. Jetzthat der Fabrikant die Wahl und beginnt unter seinem Perso-nal' die Auslese zu halten. Zuerst werden die schulpflichtigenKinder entlassen; ihre Hülfe ist entbehrlich, ihre Leistungensind gering, die Schwierigkeiten ihrer Annahme, die Controledes Schulbesuchs und die polizeiliche „Chicane“ mit der Be-schränkung der Arbeitszeit und den Pausen so gross, dass siezu allererst abgestossen werden. Ihnen folgen die jugendlichenArbeiter von 14—16 Jahren, w r elche jetzt leicht durch ebensobillige und leistungsfähigere Erwachsene ersetzt werden können.Dann folgen die Frauen und die neu angenommenen ungelern-ten Arbeiter. Es wurden Arbeiter beschäftigt in den Fabriken(vergl. Anlage I):
des Regierungsbezirksim Alter von
der Textilindustrie imAlter von
II Summe derjährlichen
12-14 J. 14
—16 J.
12—14 J.
14—16 J.
|| tionen.
1871
589
3211
362
2119
II 223
1872
582
3718
351
2027
1 288
1873
574
3955
342
2255
424
1874
560
3440
338
1568
603
1875
550
3468
340
1660
415
1876
275
3454
127
1635
431
1877
123 I
2327
67
1183
II 281