gischen, die Spitze zu bieten. Deutschland, Oestrcich, Schott-land , Schweden, kurz alle bedeutenden Märkte waren mitbelgischen Garnen überschwemmt, die zu jedem Preise ver-kauft wurden. Das lag daran, dass die belgischen Spinner Tagund Macht mit der fürchterlichsten Ausbeutung der Kräfte derKinder fortarbeiteten und ihre Waare durch eine sittlich wievolkswirtschaftlich nachtheilige Ausdehnung der Produktionzu Spottpreisen lieferten. Grosse Verluste beim Verkaufblieben nicht aus, und es fanden bedeutende Zahlungseinstel-lungen statt; sie führten aber leider zu keiner Verminderungder Konkurrenz, da nach rasch getroffenen Arrangements mitden Gläubigern die Fabriken mit ihren durch Bankerotteamortisirten Anlagecapitalien in neuen Händen bald wiedervon früh bis spät beschäftigt wurden. Durch alle diese Ver-hältnisse ist die Streichgarnspinnerei in die bedrängteste Lagegerathen und fordert erstens eine Erhöhung des Schutzzollsgegen die belgische Konkurrenz und zweitens eine Verminderungdes Kinderschutzes, um es derselben in der unrühmlichen Aus-beutung der Jugendkraft des Volkes michthun zu können.Zum Glück sind die meisten Spinner pecuniär so gut gestellt,dass sie die schlechten Zeiten ertragen können und kaum einervon ihnen beansprucht Waarencredit. Inzwischen wollen auchdie Kamingarnspinner von der vorübergehenden Mode profitirenund fordern z. B. in Lennep einen Schutzzoll gegen Frankreich;die Weber erklären aber, dass eine Erhöhung des Garnzollesdie Konkurrenzfähigkeit ihrer Gewebe im Auslände gefährdenwürde, auf welches ja namentlich die grösseren Firmen an-gewiesen sind.
Das Resultat aller dieser Ursachen ist die Nothlage der In-dustrie, wie sie schlimmer und andauernder nie bestanden hat.Im Stadt- und Landkreise Aachen sind von den grösserenTuchfabriken 8 cingegangen, im Regierungsbezirk vom 1. April1871 bis zum 31. December 1877: 21 Tuchfabriken, 30 Streich-garnspinnereien, 1 Carbonisiranstalt, 1 Lumpensortirerei, 1 Woll-wäsche, 1 Kunstwollfabrik, 2 Kratzenfabriken. In diesen sinddie kleinen Tuchwebereien und diejenigen Etablissements nichteingerechnet, welche längere Zeit stillgestanden haben, aberneuerdings von den früheren Fligenthümern oder von drittenPersonen wieder in Betrieb gesetzt worden sind.
Und nicht allein die Tuchindustrie ist es, welche leidet;in noch höherem Grade ist es mit der Kohlen -, Eisen - undMaschinenindustrie der Fall. Mit wenigen rühmlichen Ausnah-men hatten sie alle ihre Betriebe ausgedehnt, und nur wenigehatten noch rechtzeitig ihre Produktion eingeschränkt; diegrosse Mehrzahl täuschte sich über die plötzliche Nachfrageund glaubte, der augenblickliche Mehrbedarf an allen Produktenwäre ein dauernder und würde sich steigern. Seit Ende 1873trat auch hier die Krisis ein, und vom L April 1871 bis zum