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beiter, und selbst bei sehr reducirtem Betriebe machte sichder Druck der massenhaft produktionsbereiten und arbeits-fähigen Fabrikanten auf den Preis geltend. Auf den Absatzeinzelner Stoffe, wie z. B. der schweren Winterstoffe, übte diein den Jahren 1872 und 73 herrschende milde Winterwitterungeinen nachtheiligen Einfluss aus und liess auch für die folgen-den Jahre grosse Vorräthe dieser Waaren in den ersten undzweiten Händen zurück.
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung wurde derWechsel der Mode, wie er sich im Jahre 1873 vollzog. GlatteStoffe, die Stärke Aachens, wurden in Deutschland und Nord-amerika nicht mehr getragen, und fa<;onnirte Tücher, Kamm-garn- und Phantasiestoffe wurden modern. Dieser Umschwunghatte auf die alten grossen Firmen, welche feste Abnehmer inSüdamerika und andern überseeischen Ländern haben, einengeringeren Einfluss als auf die kleinen Häuser. Unter ihnenentspann sich um das eingeengte Absatzgebiet ein Kampf aufTod und Leben; manche Fabrikanten mussten ihre Thätigkeiteinstellen; andere gingen mit grossen Kosten zur Fabrikationvon Kammgarnstoffen über, wobei sie ihre gesammte Spinnereiund Appretur stillsetzen, ihre Webstühle verändern, ihreGeneralkosten durch Ausgaben für neue Muster und das Be-reisen neuer Absatzgebiete vermehren und in die mächtigeKonkurrenz mit England und Frankreich treten mussten.
Der allgemeine Aufschwung der Geschäfte hatte auch derSpinnerei Veranlassung geboten, die bestellenden Fabrikentheihveise auszudehnen und neue zu gründen. In Folge dessenwurde in kurzer Zeit eine so bedeutende Produktion erzielt,dass der Konsum der Garne weit hinter dem Angebot zurück-blieb und sich Garn vorräthe massenhaft anhäuften. Vergrössertwurde die Bedriingniss der Streichgarnspinnereien noch dadurch,dass in Folge des Modewechsels sich die Nachfrage von ihremGespinnste ab und den Kammgarnen zuwandte. Schon imJahre 1872 war kaum die Hälfte der vorhandenen Spindeln inBetrieb; andere Fabriken dagegen arbeiteten ohne Rücksichtauf den wirklichen Konsum immer fort, um ihre Maschinenvoll auszunutzen. Dadurch vergrösserten sie nur die Ueber-produktion und drückten die Preise noch mehr. Im Jahre1875 wurde endlich in den meisten Spinnereien, besonders inden grösseren, die Arbeitszeit auf 9—10 Stunden täglich re-ducirt und nur mit einem Theile der Maschinen gearbeitet.Dabei konnte weder das Anlagecapital versverthet werden, nochvermochten die Arbeiter bei den hohen Preisen der Lebens-mittel und Wohnungen das Notlüge für ihren Unterhalt zuverdienen. Aber selbst bei dieser eingeschränkten Produktionliess sich der Absatz der Streichgarne im Inlande und auf dengrösseren Märkten nur mit Verlust bewirken; denn es war un-möglich, der ausländischen Konkurrenz, namentlich der bei-