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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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schuld an der unglücklichen Lage dev Industrie und an derwirtschaftlichen Inferiorität Deutschlands überhaupt beigeniessenwird. Die Beurtheilung dieser Behauptung kann keine all-gemeine sein; sie wird wesentlich verschieden ausfallen je nachder Klasse von Arbeitern, welche inan in Betracht zieht; dasAlter der Industrie und die überlieferte Tüchtigkeit in Folgederselben hängen eng zusammen. Die ältesten Industrieen imAachener Bezirk sind die Weberei und die Nadelfabrikation, undvon diesen sind derartige Klagen nicht ausgestossen worden.Die Leistungsfähigkeit der Arbeiter ist eine sehr grosse; wohlhatte aber die eifective Leistung in den Glanzzeiten nach-gelassen und zwar aus leicht erklärlichen Gründen: weil beidem Arbeitsüberffuss auf die Qualität der Waare kein Gewichtgelegt wurde, weil neben dem tüchtigsten Webermeister einBauerjunge den gleichen Accordsatz verdiente, weil bei demleichten Erwerbe alle Arbeitsehre schwand, die Sparsamkeitnicht gepflegt und die Verführung zu unproduktiven Ausgabendurch die zahllosen Wirthschaften und Yergnügungslokalc ge-steigert wurde. Als aber die Krisis ihre Auslese unter denArbeitern gehalten hatte, da blieb nur der tüchtige Stammnach, und dessen Leistung ist so vorzüglich wie jemals.

Man muss sich vielmehr darüber wundern, dass die Arbeiterdoch noch so viel leisten, ln der Ilausweberei gab der Vatersich alle Mühe, dem Sohne das Handwerk beizubringen; gegen-wärtig existirt in den Fabriken keinerlei Lehrlingsverhältniss.Womöglich sucht man den Arbeiterstamm, namentlich für dieHandweberei in Fabriken, noch aus der Hausindustrie zu re-krutiren, und es mehrt sich die Anzahl derer, welche auf demJacquardstuhl weben, da sie mehr dabei verdienen. Die Ma-schinenweber erhalten eine andere Ausbildung; sie beginnenals Spul- oder als Fadenkinder, kommen mit 1415 Jahrenan den Kraftstuhl und lernen den Weberknoten, den schwie-rigsten, knüpfen; den Knaben werden hier die Mädchenvorgezogen, da sie mit ihrer schmäleren Hand leichter durchden Kamm fahren können. Anfangs stehen sie im-Tagelohn,gehen aber bald zu Stücklohn über und können in 12 Jahreneinen mechanischen Stuhl in normaler Weise bedienen. Ineiner einzigen Fabrik des Düsseldorfer Bezirks, und zwar fürModestoffe, existirt ein Lehrlingswesen, welches aber nur derAusbildung von Werkmeistern gilt. Die besten Arbeiter ver-pflichten sich durch Vertrag, daselbst vier Jahre zu bleiben,werden während dieser Zeit in allen Funktionen eingeübt undnach Ablauf der Zeit, sobald sich eine Gelegenheit dazu bietet,zu Meistern gemacht.

Der Ilandweber steht social natürlich höher als der Ma-schinenweber, und die sociale Stufenleiter, auf welcher die Tuch-weber z. B. in Kettwig a. d. Ruhr emporklimmen, ist äusserstinteressant. Dort verdient ein geschickter Zanellaweber 24