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II. 2.
lungen, namentlich soweit sie mit Vertragsbruch verbundensind. für ein Unrecht hält und es dazu nicht kommen lässt.Der Kampf um die höheren Löhne und besseren Arbeitsbedin-gungen ist daher kein Massen-, sondern ein Einzelkampf, undsein Mittel ist der Vertragsbruch. Das Resultat dieses Guerrilla-krieges ist fast das nämliche. Bei guter Konjunktur erschleichendie Arbeiter sich gute Löhne und ihr Uebermuth kennt keineGrenzen; beim Rückgänge derselben sind sie ganz schutz-und wehrlos aller Willkür preisgegeben, und selbst bei offen-barem Unrecht wagen sie nicht, sich zu widersetzen; rafft sicheiner auf und bittet seine Genossen, für ihn Zeugniss abzu-legen, so begleitet ihn keiner, um seinen Verdienst nicht zuverlieren.
Bei einer solchen Organisationslosigkeit ist von einer Gleich-mässigkeit in der Lage der Arbeiter keine Rede. Das hat sichwährend der kurzen Krisis von 1857 und dann im grossartig-sten Maassstabe während der Jahre 1873—78 gezeigt. Ueberdie kurze, aber heftige Krisis von 1857 liegt ein trefflicherBericht ‘) des Fabrikinspectors vor. ~T!s" verdienten damals inden Tuchfabriken durchschnittlich pro Woche ein Scherer inAachen 7,50 und in Düren 5.40 M. x ein Spinner 9, bzwT7^40 M.,und zwar stand ein Fabrikweber keineswegs besser als einHandweber und war auch nicht gleichmässiger beschäftigt.Bei solchen Löhnen konnten die Arbeiter kaum existiren. lnMariaweiler z. B. bezog ein Tuchscherer 90 l’fg. Lohn täglich;davon verbrauchte er bei einer Familie von vier Köpfen an10 Pfund Kartoffeln zu Mittag und Abend und an Brot je40 Pfg., an Heizung und Licht 8 und an Miethe 2Pfg. täglich ; erkonnte mit seinem Lohne also gerade nur das Allernothwendigstedecken. Noch schlimmer waren die Zustände in Aachen, woLebensmittel und Miethen bedeutend theurer waren. Als Nahrungnahmen die Fabrikarbeiter fast ausschliesslich ein Stückchen Brotund sogenanntes Kaffewasser am Morgen, Mittag und Abendoder zur Abwechslung vielleicht einige Kartoffeln mit Oel zu-bereitet ein; daraus erklärt sich auch ihr scrophulöses Aus-sehen Für Aachen war noch besonders zu bemerken, dassdas Schwarzbrot, wie dasselbe zum Verkauf gelangte, dem-jenigen, welches im Arresthause gebacken wurde, an Qualitätund Nahrungsfähigkeit um mindestens ein Drittel nachstand.Neben der spärlichen Kost wurde dann zum Branntwein ge-griffen, und es bedurfte der schwache Körper einer sehr gelingenQuantität, um arbeitsunfähig zu werden. Die Fabrikantenhatten natürlich gleichfalls weniger Bestellungen; einige ver-dienten auch so wenig, dass sie eben nur die Betriebs- undAmortisationskosten decken konnten. Das hatte aber in denmeisten Fällen nichts zu sagen, da sie bei der vorliergegangehen
ff Ibidem 15, 38 und 15, 4.