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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

Die Decentralisation, wie sie historisch entstanden war,entsprach durchaus der wirthschaftlichen Lage; nur so wardie Capitalansammlung hei den Einzelnen auf das Geringstebeschränkt: Werkstätte und Wohngemach waren innig ver-schmolzen, die Productionsmittel und Werkzeuge von geringerBedeutung, und die Arbeitskraft, auf welcher ja der Hauptwerthdes Products beruhte, wurde am intensivsten ausgenutzt, wennein jeder den Erfolg seiner Mühen auch seihst genoss. Fürdie Arbeiten. welche grösseren Raum beanspruchten, hattendie reicheren Meister in der Fähe ihrer Wohnungen oder inihren Gärten vor der Stadt, da sich häufig noch Ackerbau undGewerbe traulich vereinten, Plätze für Trockenrahmen, Bleichenund Zubehör, oder sie pachteten wie in Wesel das Terrain derFestungswerke zu ihren Zwecken.

Wo jedoch grössere Capitalien nöthig waren, da reichteder Besitz Einzelner nicht aus; die grösseren gewerblichenAnlagen waren öffentliches Eigentlmm und gehörten der Stadtoder der Zunft, theils weil nur diese Corporationen ein genü-gendes Vermögen besessen, theils weil sie dadurch eine Con-trole über die gesammte Fabrikation ausübten. In Goch z. B.;< pachtete in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts die| Stadt aus letzterem Grunde die einzige Walkmühle, welche es| in den Aemtern Goch und Moudie gab, und setzte durch

Zunftstatut fest, dass der Mühlenmeister kein fremdes Tuchwalken dürfte, so lange Bürger der Stadt dort Laken zumWalken hätten; dadurch wurde die Concurrenz unzünftiger

j Weber vermieden. In Düren und Aachen werden als öffent-liche Gebäude die Wollkiiche, die Tuchballen und das Walk-i'.haus aufgeführt.

'I Es war in der Hauptsache eine Masse nebeneinanderstehendei- Kleinmeister mit beschränkter Erfahrung und Auf-fassung, ohne Ueberblick über den Bedarf und die Anforderun-gen des Marktes; hätte diese Masse fabricirt und gehandeltnach Gutdünken, so wäre nicht allein eine Verschiedenheit derWaaren, welche'allen Grosshandel, die Grundlage einer jedenIndustrie, unmöglich gemacht hätte, sondern auch eine Ver-schlechterung derselben eingetreten, die den Ruf der Firma,

in diesem Falle der Stadt, ruinirt hätte. Der Name des ein-! zelnen Kleinmeisters galt noch nichts; für ihn trat die Stadtj mit ihrem Namen ein, und sie war nun auf das höchste in-j teressirt an dem guten Rufe ihrer Waaren. Zudem waren die; Grosshändler Patricier; theils sassen sie selbst im Rathe, theils! hatten sie ihre Anverwandten in demselben,- sie machten ihren

Einfluss geltend auf den Erlass gleichmässiger Vorschriften,! damit ihnen der Handel ermöglicht, ihr Erwerb vergrössertwerde.

So wurde der leitende Wille des Frohnvogtes ersetzt durch