Druckschrift 
1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

II 2.

Die Weberei und hier sehe ieli ab von jener Haus-weberei, welche Tuch oder Linnen nur für den eigenen Bedarfherstellt, - ist diejenige Industrie, an welcher sich die Ent-wicklung aller Betriebsfonnen mit grosser Deutlichkeit ver-folgen lässt. Ich nenne dieselben den handwerksmässigen, denhausindustriellen und den Fabrikbetrieb.

Bei der handwerksmässigen Industrie für den Absatz imGrossen sind, wie im eigentlichen"'für den Ortsbedarf arbei-tenden Handwerk, der Kern der Arbeiter durchaus selbständigeMeister mit eigenem Anlage- und Betriebscapital; es sind imWesentlichen kleine Fabrikanten, welche sich selbst den Roh-stoff kaufen, ihn auf ihre Rechnung verarbeiten und die fertigeWaare auf eigenes Risico verhandeln, eine industrielle De-mokratie. Da aber die Weberei eine arbeitstheilige Industrieist. so kann ein einzelner Meister die gesammte Herstellungwie den Absatz nicht bewerkstelligen und eine Gliederung trittallenthalben hervor. Bei der Fabrikation giebt es zweierleiArten von Gehülfen: einmal Gesellen, Lehrlinge und weiblicheHülfspersonen, reine Lohnarbeiter, welche gewöhnlich im Hausedes Meisters wohnen, ferner solche Meister, welche zwar ineigenen Unternehmungen das Färben, Walken etc., jedochgegen Lohn besorgen. Die letzteren stehen formell als Meistergleichberechtigt neben den Webermeistern; materiell sind sieaber hausindustrielle, die ersteren hingegen reine Lohnarbeiter.Bei der BeSchaffmig des Rohstoffs und beim Absatz der Waarensind die Woll- und Tuchhändler und auch die Gewandschneiderthätig, welche im Detail die Gewebe verkaufen.

Bei dem hausindustriellen Betriebe liegt der Schwerpunktim Kaufmann, welchem das Betriebscapital gehört; er kauftden Rohstoff, lässt ihn die verschiedenen Stadien der Fabri-kation bei den Meistern durchlaufen und verkauft ihn auf seinRisico. Die Arbeiter wohnen zwar noch im eigenen Hause,haben ihr kleines Anlagecapital in Werkstätte und Werkzeugnoch behalten und nennen sich Meister, aber sie sind lediglichStücklohnarbeiter; ihnen zur Seite stehen Gehülfen, welchewiederum ihre Stücklohnarbeiter sind.

Bei dem Fabrikbetriebe endlich sind sämmtlicheProductions-mittel wie die Arbeiter' in einem geschlossenen Etablissementvereinigt; es giebt einerseits nur einen Unternehmer, dem allesAnlage- und Betriebscapital gehört, andererseits viele capi-tallose Lohnarbeiter, von Aufsehern üherwacht.

Ein jedes der drei Entwicklungsstadien trägt ein wesent-lich verschiedenes technisches, wirtschaftliches und socialesGepräge, und es soll Aufgabe des Folgenden sein, sie in ihrerBedeutung zu charakterisiren. Es ist ja leider das Materialnicht vorhanden, um an jedem Orte und an jeder Industriediesen Entwicklungsgang naclizuweisen; auch hat derselbe inzahlreichen Fällen sofort mit dem hausindustriellen oder dem