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Arieg gegen die Fremdwörter ist ein Symptom des erstarkenden Nationalgefühls"— so äußert sich Scherer in dein oben erwähnten Aufsatze in den preußischenJahrbüchern, und Scherer war kein Sprachreiniger. Ja sogar Aarl pillebrand,der Verteidiger der Fremdwörter, der selbst in übertriebener Weise fremde Aus-drücke unter das Deutsche mischt, thnt den Ansspruch: „Wer das nationale
Sprachgefühl so sehr verloren hat, daß er unterschiedslos ein Fremdwort für eindeutsches Wort setzt, der vergeht sich schwer an: Nationalgeist" p.
Wenn Rümclins Gewissen durch den Gebrauch von Fremdwörtern nichtstärker belastet wird als durch den Genuß ausländischer Erzeugnisse, so hat erdas mit seinem Gewissen auszumachen; uns geht das nichts an. Wir ineinen,daß der Aampf gegen das Fremdwörterunwescn nicht nur eine Frage des gutenGeschmackes ist, nicht nur eine Pflicht gegen unsere reiche, bildungsfähige, fchöneSprache, daß durch Vermeidung von Fremdwörtern nicht nur der Wohlklang,die Alarheit, die Sprachrichtigkeit und die Verständlichkeit unserer Rede gefördertwird, sondern daß auch durch die Bekämpfung des alten Erbübels der Aus-länderei, durch die liebevolle pflege der Aluttersprache der nationale Sinn inunserem Volke gehoben und gekräftigt wird.
Unter dem frischen Eindrücke der Freiheitskriege im Jahre s8sq. schriebein deutscher Wann, welcher ein warmes perz für sein Volk hatte, Friedrichpeinsius, in dem deutschen Pausschatze folgende Worte, die inan nicht ohneein Gefühl der Rührung lesen kann: „In dieser Verachtung und Anechtschaftder Sprache ist der größte Teil des jetzigen Geschlechts der Deutschen ausge-wachsen und büßt nun die Schuld der Väter wie die eigene um so härter, dasie als eingewurzeltes Übel, gleich der Erbsünde, auf Aind und Aindeskind fort-zugehen droht. Jetzt oder nie dürfen wir hoffen, dieses gemeine Übel mitErfolg zu bekämpfen, da das Ehrgefühl des Volkes sich mit seiner Streitkrafterhoben und die Gesinnung desselben den Stempel der Deutschheit wieder ge-wonnen hat. Diese Wiedergeburt der edlen Volksnatur wird es nicht zugeben,daß die deutsche Sprache noch länger entstellt und verkrüppelt, in Reichtum undÜberfluß kargend und mit fremdem Flitterstaat sich deckend, unter einem kräf-tigen, tapferen, gelehrigen, in Aunst, Wissenschaft und Gewerbe gebildeten Volkeverachtet und krankhaft einherschleiche. Die Stimme der Ehre wird stärker seinals die träge Gewohnheit, die hartgezüchtigte Vorliebe für das Fremde wirdgebührend zurücktreten vor der lohnenden Liebe zu dem Einheimischen, und derdeutsch gesinnte Deutsche wird wieder seine gesunde Sprache er-ringen, wie er seine Freiheit errungen hat."
Was peinsius und mit ihm viele der Edelsten unseres Volkes damals er-hofften, ist nicht in Erfüllung gegangen. Aus das herrliche Worgenrot der
*) U. kflllebraud, Wälschcs und Deutsches, 5. 2 H 8 . Uber seine Vorliebe für ffrcind-wörter vergl. mein ffremdwörtcrunwcsen, 5. S2—6H.