Gründe gegen und für Sprachreinigung.
Hassen wir die Haupteinwendungen unserer Gegner noch einmal zusammen.Sie suchen die Berechtigung der Fremdwörter zu verteidigen: durch deu Hinweisauf das Beispiel anderer Völker, ans die geschichtlich^ Entwickelungunserer Sprache, auf die Armut unserer Sprache und die Unmöglichkeit, neueWörter zu schaffen, auf den Wohlklang der Fremdwörter, auf das Vorrechtdes Schriftstellers, seine Ausdrücke zu nehmen, woher er nur wolle; auf dieFülle von Ableitungen und Weiterbildungen bei den Fremdwörtern, aufdie wünschenswerte Schonung der deutschen Wörter, auf die Unmöglichkeit,alle oder wenigstens fast alle Fremdwörter zu beseitigen.
Diesen Gründen, welche für die Fremdwörter geltend gemacht werden,stelle ich folgende Sätze entgegen, welche nach der Ansicht der Sprachreinigerden Kampf gegen die Fremdwörter nicht nur rechtfertigen, sondern sogar zurfdflicht machen.
f) Es ist eine auch von unseren Gegnern anerkannte Thatsache, daß sehrviele völlig entbehrliche Fremdwörter in der deutschen Sprache gebrauchtwerden. Ihre gewaltige Zahl läßt uns darin einen ungesunden Zustanderkennen.
2) Daß es sich in der That um eine krankhafte Erscheinung handelt, zeigtdie Vergleichung mit anderen Völkern, welche weit weniger Fremdwörterhaben und diese in ganz anderer Weise behandeln; namentlich zeigt dies auchder Spott der Ausländer über die deutsche Sprachmengerei.
Z) Dasselbe lehrt uns die Geschichte des Fremdwörterwescns inDeutschland.
4) Fremdwörter sind zu vermeiden aus Rücksicht auf den Reichtum unddie Bildungsfähigkeit unserer Sprache, aus Rücksicht aus den guten Ge-schmack, aus Rücksicht aus Klarheit und Sprachrichtigkeit und auf dieVerständlichkeit für unsere minder gebildeten Volksgenossen.
ö) Der Rußbrauch der Fremdwörter beruht aus übler Gewohnheit,aus Gedankenträgheit, aus Eitelkeit und namentlich auf dein deutschenErbfehler der Ausländerei; darum ist die Bekämpfung dieses Übels einenationale Pflicht.
Es sei mir gestattet, diese kurzen Sätze mit einigen Strichen weiter'aus-zuführen.