VII.
Zugeständnisse unserer Gegner. Zahl der
Fremdwörter.
Daß im Deutschen thatsächlich mit Fremdwörtern Uttßbrauch getriebenwird, daß viele entbehrliche fremde Ausdrücke gebraucht werden, wird vonunseren Gegnern ausnahmslos eingeräumt. Selbst Delbrück, der leidenschaftlicheEiferer gegen den Sprachverein, giebt „gewisse bekannte Ucißbräuche" zu. Sieerkennen auch an, daß es unrecht sei, Fremdwörter zu gebrauchen, wenn esvöllig entsprechende deutsche Ausdrücke gebe. !h. Grimm sagt, es liege schoninnerhalb des gesunden Ucenschenverstandes, deutsche Wörter zu gebrauchen, wosie vollgültig zu Gebote stehen; schon unsere natürliche Beschaffenheit weise unsdaraus hin, lieber deutsche Worte zu gebrauchen als fremde; diese klängen imWunde eines Ungebildeten albern. Rümelin spricht dem Fremdwörterkampfe„einen festen Aern innerer Berechtigung" zu, es gebe nichts Thörichteres undWidersinnigeres, als zu seinen Landsleuten in fremder Zunge zu reden, wenndie Ucuttersprache die dein Sinne vollkommen entsprechenden Worte darbiete.Gildemeister tadelt die üble Geschmacksrichtung der Deutschen, ihre Borliebe fürfremde Klänge, er nennt es ein „löbliches Bestreben," die „ansehnlichen Reste"der entbehrlichen Fremdwörter völlig zu beseitigen; Ausdrücke wie v>8-k-vi8,ff In Bismarck, per Stück findet er durchaus verwerflich oder geradezu scheußlich, jaer geht noch weiter als die eifrigsten Sprachreiniger, indem er Schriftsteller, dienoch lhotel, Etage, Bouteille schreiben, aus der guten Gesellschaft ausgeschlossen wissenwill. — Wie viele Deutsche müßten da mit Rümelin ausgeschlossen werden! Esist aber leider Thatsache, daß nicht nur im gewöhnlichen Leben und in den„niedrigen Regionen des Gedruckten," wie Rümelin sagt, sondern auf allenGebieten schriftlicher Darstellung eine Unmenge unnötiger Fremdausdrücke an-gewandt wird?) Daß dies ein Uußbrauch ist, geben alle unsere Gegner zu;für den Gebrauch völlig entbehrlicher Fremdwörter tritt nicht ein einziger ein.Sie behaupten nur, das Übel sei nicht so schlimm, wie es die Sprachreinigermachten; Fremdwörter seien eine durch die geschichtliche Entwickelung der Sprachenbedingte Notwendigkeit; und sie verweisen auf das Beispiel anderer Völker,welche gleichfalls zahlreiche Fremdwörter ausgenommen hätten. Daß aber beiuns ganz andere Verhältnisse vorliegen, zeigt schon die Zahl unserer Fremdwörter.
*) Beispiele findet man zahlreich bei Riegel, tsauptstnck von unserer lNutte>1prache,5. ? ff., und in desselben Verfassers Schrift „Der allgemeine deutsche Sprachverein" S. 23 ff.,auch in meinem Schriftchen: Das ffremdwörterunweseu i» unserer Sprache, tseilbronn ;88H.