X I.
Fremdwörter zu vermeiden aus Rücksicht aufden guten Geschmack, aus Alarheit, Verständ-lichkeit, Sprachrichtigkeit.
Der Hauptgrund, welcher gegen den Gebrauch der Fremdwörter spricht,ist die Rücksicht aus die Schönheit der Darstellung. Die Einmischungvon sremden Ausdrücken verstößt gegen den guten Geschmack, — dasist ein unanfechtbarer Satz, welcher den Anwälten der Fremdwörterei immer undimmer wieder entgegengehalten werden muß. Die sremden Bestandteile störendie Einheitlichkeit der Sprache; sie fügen sich nicht unseren Lautgesetzen, unsererAussprache, unserer Schreibweise; namentlich ist die Betonung der Endsilben,die wir bei so vielen Fremdwörtern finden, entschieden wider den Geist unsererSprache, sie verletzt das deutsche Ghr.
Dies geben übrigens anch unsere Gegner meistenteils zu. Gildemeisterspricht 5. 96 von „geschmackloser Sprachmengerei", er bezeichnet 5. ^OI dieBorliebe für den Schall und Klang fremder Zungen als eine „üble Geschmacks-richtung," auch Rümelin räumt ein (S. Z), daß die Rede durch jede Häufungvon Fremdwörtern einen buntscheckigen und mißfälligen Eindruck macht,ungefähr wie wenn in einer Gesellschaft die einen in bürgerlichem Anzuge, dieanderen in Alasken erscheinen". Freilich findet er später (S. 26), daß dieSchriften derjenigen, welche geflissentlich Fremdwörter vermeiden, den Eindruckdes Ermüdenden, Erzwungenen und Geschmacklosen machen, ja daß einmäßiger und guter Gebrauch von Fremdwörtern der leicht einförmig dahin-fließenden deutschen Rede manchmal zum Borteile gereichen, dem Mhre einewillkommene Abwechslung bieten kann. Das ist allerdings ein Widerspruch.Wenn die deutsche Sprache wirklich so einförmig und wenig wohllautend ist,so wird sie sicherlich durch das Einmischen fremder Ausdrücke auch nicht wohl-klingender, so wenig wie ein verschossener Rock durch das Aufsetzen einiger frisch-farbiger Zeugstücke ein besseres Aussehen erhält. Mder wird etwa ein Schwarzerin seinem einfachen Lendenschurze schöner, wenn er einen hohen Hut und einenKlemmer aufsetzt?
Daß die Vermengung eigenen und fremden Sprachgutes gegen den gutenGeschmack verstößt, beweist die Thatsache, daß in ernster Dichtung Fremdwörterunbedingt vermieden werden. Da, wo uns die deutsche Sprache in ihrer ganzenFülle, in ihren: herrlichsten Wohllaut entgegenklingt, hat das Fremdwort keineStätte. Goethes Iphigenie enthält kein Fremdwort, wie Rümelin selbst sagt: