anstatt sich in impotenten Versuchen unmöglich gewordener sprachlicherZeugungen zu erschöpfen, mit den übernommenen ausländischen Namen sich be-halfen." Nut vollem Rechte hält ihm N). Gcnsel in dem oben angeführten Grenz-boten-Aufsatze (S.79) ein: „Impotent birgt den Gedanken an Zeugungsunfähigkeitin sich. Eben deshalb durste das Wort nicht gewählt werden, denn nun habenwir zwei Nußbildungen: einen zeugungsunfähigen Versuch (als ob cs
zeugungsfähige Versuche gäbe), und einen zeugungsunfähigen Versuch derZeugung."
Gin weiterer Grund gegen den Gebrauch entbehrlicher Fremdwörter istdie Rücksicht auf die Verständlichkeit der Rede bei unseren Volksgenossen.Wenn der Gelehrte nur für Gelehrte schreibt, so ist ein umfassenderer Gebrauchfremder Ausdrücke eher zu entschuldigen, obgleich auch der Gelehrte die schlichtgegen die Nkuttersprache und gegen den guten Geschmack nicht außer acht setzensoll. Unverzeihlich aber ist es, wenn Schriftsteller, die sich an einen weiterenLeserkreis wenden, mit schwer verständlichen, unnötigen Fremdwörtern um sichwerfen. Das ist eine Rücksichtslosigkeit gegen diejenigen unserer Nlitbürger, dienicht eine höhere sprachliche Bildung genossen haben, vor allem auch eine Rück-sichtslosigkeit gegen die grauen, welche es mit Recht schmerzlich empfinden, wennsie trotz sorgfältiger Geistesbildung infolge ihrer Nichtkenntnis des Lateinischenund Griechischen deutsche Schriften und deutsche Gespräche nicht vollständig ver-stehen können.
Besonders verrufen ist in dieser Beziehung die Kunstsprache der Ärzte,ein abscheuliches, regelloses Gemisch aus allen möglichen Sprachen, mit vielen N tiß-bildungen, über die ein Aufsatz Virchows in dem c>f. Bande des Archivs für Patho-logie und Anatomie ein wenig erfreuliches Licht verbreitet. In einen: fürNicht-Arzte herausgegebenen Schriftchen über Diphtheritis von ür. wachsmuth(ch Ausl. Leipzig f88Z) heißt cs Seite 9 : „Kinder disponieren wohl über-haupt mehr zu dieser Krankheit vermöge ihres florideren vegetativen Lebens-prozesses." was sich wohl Laien darunter vorstellen mögen? wachsmuthspricht von Gastrokatarrh, elevierten Stellen, Ineisionen, croupöser Nephritis,coineidierender Erkältung, giebt jedoch in besonderen Anmerkungen dazu dieVerdeutschungen: Nkagenkatarrh, erhöhte Stellen, Einschnitte, häutige Nieren-entzündung, zusammensallende Erkältung, warum gebraucht er denn nichtgleich die deutschen Ausdrücke? fürchtet er etwa, daß es nicht wissenschaftlichgenug klingt?I
wie wenig unsere Rcchtsgelehrten auf ihre rechtsunkundigen Nlitmenschenbei ihren Auseinandersetzungen oft Rücksicht nehmen, ist bekannt. Ich will nureinen Satz als abschreckendes Beispiel hier anführen, welchen w. Gensel inseinen: Aussatze in der Leipziger Zeitung von: ff). Februar f88o erwähnt:„Lomparent deponiert uä f, er habe das Immobiliarbesitztum 8>:b lolio 2 an:
D Leider sind auch einige grabe Druckfehler stehen geblieben. Lr schreibt S. ff>: „In-hallieren von wasserdämpfen" (lat. iiilmlnre), und S. so: „pharyngswand" statt Pharynrwand.