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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
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Daher sind die Fremdwörter denen besonders willkommen, welche scharfenGedankenausdruck vermeiden, die eine gewisse Nebelhaftigkeit der Darstellunglieben. Mit Fremdwörtern läßt sich vortrefflich in tönenden Worten nichtssagen.Denn eben wo Begriffe fehlen, stellt sich zur rechten Zeit ein Fremd-wort ein" so habe ich vor fünf fahren den Goetheschen Spruch zu änderngewagt, und diese kleine Änderung hat Glück gehabt; ich habe diesen Satz viel-fach in Schriften wiedergetroffen, ja er hat seinen Weg in den Reichstag bisaus die Ministerbank gefunden, ein Zeichen, daß auch andere seine Wahrheiterfahren haben.

Daß inan diese Unklarheit des Fremdwortes in bewußter Absicht mitbestem Erfolge ausnützen kann, zeigt in erheiternder Weise Ludwig pevesi ineinem Aussatze:Bekenntnisse eines Bücherkritikers" (Gegenwart ch82 S. 92).Er spricht dort seine große Vorliebe für das Wort diseret aus:Discret!Wäre dieses goldene Wort noch nicht vorhanden, man müßte es schleunigsterfinden. Ls giebt kaum einen elastischeren, geschmeidigeren Entoutcas in derkritischen Rüstkammer. Diseret! Das schineckt selbst den Indiskretesten, dennes liegt darin etwas Künstlerisches, Bildnerisches, weises Blaß mitten im Über-fluß, die Maske der Selbstbeschränkung für alle Beschränktheit. Ein Schrift-steller kommt über kurze Anläufe nicht hinaus. Diseret! Es fehlt ihm jederSinn für Farbe, alle seine Gestalten sind grau wie Feldmäuse. Diseret! Erversteht nicht zu charakterisieren und vollends ist er verloren, wenn er ein heißes,überwallendes Wort der Leidenschaft finden soll. Discret! In seinen Schilder-ungen ist kein Auge, in seinen Dialogen keine Beredsamkeit, seine ganze Dar-stellung entbehrt der Prägnanz. Diseret, überaus diseret!"

Diese Unbestimmtheit und Unklarheit hängt wesentlich mit der Vieldeutig-keit der Fremdwörter zusammen, welche selbst dein Sprachkundigen oft dasVerständnis erschwert. Sehr hübsch zeigt dies G. Sarrazin in seinen vorzüglichenBeiträgen zur Fremdwortsrage" (Berlin s887,) an den Wörtern Praxis (SchOchund Idee (S. ^0). Ein Fremdwörtersreund könnte recht wohl im Deutschensagen:Die Idee, welche in der Idee des Dichters lebt, entspricht nicht der

Idee, welche man mit der für ein Kunstwerk geeigneten dichterischen Ideeverbindet." Das soll heißen:Das in der Seele des Dichters lebende Bild

entspricht nicht der Vorstellung, welche man mit dem für ein Kunstwerk ge-eigneten Vorwurf verbindet." Welcher von den beiden Sätzen den Gedankendeutlicher ausspricht, brauche ich nicht erst auseinanderzusetzen. Aber hiermit sinddie Bedeutungen des Wortes Idee noch keineswegs erschöpft. Ls kann auchsein: großer erhabener Gedanke, plötzlicher Einsall, irrige Ansicht, Wahnvorstellung,Absicht, plan;nicht die Idee" heißt: nicht eine Spur, und wenn inan nocheineIdee Essig" an den Salat gießt, so ist dies soviel wie ein Tröpfchen.

Vieldeutige Fremdwörter dieser Art giebt es in großer Menge. Wasist eine Tour? Ausflug, Spaziergang, aber auch Umlauf, Runde, Fahrt, oderReihe, Abteilung oder falsche paare, kleine Perücke. Kanon ist Richtschnur,Maßgabe, Regel, Vorschrift; eine Mustersammlung; Grundzins, Erbzins, Pflicht-