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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
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ist sie darum weniger schön? Sind nicht Goethesche Lieder, wie der Fischer oderdas Haideröslein von bezaubernden: Klange, obgleich sie nur deutsch sind?wenn die Fremdwörter unserer Sprache Wohllaut verliehen, so müßten dieBörsen- und Alodeberichte unserer Zeitungen der vollendetste Ausdruck deutscherSprache sein.

Leider fehlt es aber vielen unserer Schriftsteller an gutem Geschmacke, ausprachlichem Feingefühle. Sonst könnte z. B. Ernst Eckstein in seinem RomanPrusias bei der Schilderung altrömischer Zustände nicht von glänzenden(Kava-lieren," von einemAdjutanten" des römischen Präfekten sprechen, er könnteseine Römer nicht inLabriolets" undKaleschen" reisen lassen und nicht voneiner alten Römerin sagen, sie sei einGemisch von affektierter Höflichkeit undlächerlich-alberner Prätension." Noch geschmackloser ist Buchholz in seinenHomerischen Realien," der von den Griechen Homers sagt, sie könnten, wennsie sichpiquiert fühlten," auchunverblümte Sottisen" sagen (III 2, Z60). Erredet sogar von einerHospitalen Etikette" zu Homers Zeiten (S. Z 6 H undvonRazzias, die homerische Viehräuber mit planmäßiger Raffinerie" aus-führten (S. Z 69 )!

Solchen: Mangel an Formensinn halte inan das Arteil eines Franzose::gegenüber, welches Dozen in: Zahre ^ 8 ^ in seinem oben erwähnten: Aussatze(S. q.O/s) mitteilt:Ein anständiger Franzose versicherte nach, daß das Einmischensolcher fremden Wörter in unsere Rede seinem Gehör unerträglich sei, da durchdie Aufeinanderfolge sich organisch fremdartiger Töne ein Mißklang entstehe,der alle Einheit und musikalische Übereinstimmung der Redebcstandteile ver-lachte." wenn doch jeder Deutsche ein solches Gefühl für den Wohllaut seinerSprache hätte, wie dieser Franzose!

Aber Schärfe des Gedankens, Klarheit des Ausdrucks ist wichtiger alsSchönheit der Darstellung", so sagen die Fürsprecher der Fremdwörter; sie meinen,daß gerade durch die Fremdwörter die Klarheit gefördert werde. Das ist aller-dings in vereinzelten Fällen zuzugeben, wo nur durch das Fremdwort ein Begriff involler Schärfe bezeichnet werden kann. Unter solchen Amständen wird keingemäßigter Sprachreiniger den Gebrauch des Fremdwortes tadeln. Aber weithäufiger ist das Gegenteil der Fall. Die Rücksicht aus Klarheit und Deut-lichkeit der Darstellung spricht gerade gegen den Gebrauch der Fremdwörter.Die Fremdwörter sind naturgemäß für uns nicht so klar und durchsichtig, wiedie Ausdrücke unserer Muttersprache; ihnen haftet vielfach etwas Verschwommenesund Nebelhaftes an, der Gebrauch ist oft schwankend, unser Sprachgefühl ihnengegenüber unsicher. Klarheit ist an die lebendige Rede gebunden, aber dieseFremdlinge bringen, wie Rud. Hildebrand in seinen: trefflichen BucheVon:deutschen Sprachunterricht" (z. Ausl. S. ^58) überzeugend darlegt,von Hausaus so wenig Leben mehr mit, sie haben schon bei der Ankunft so verlebteGesichtszügc, eine so verwischte und verwachsene Gestalt, zumal wein: sie erstaus zweiter oder dritter Hand zu uns gekommen sind: wie sollen sie bei unsfrisches Leben zeigen?"

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