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behalten, dessen Bedeutung durch ein deutsches nicht ganz erschöpft wird, danndürfte inan auch fatiguieren und Tailleur, welche Rümelin als völlig ent-behrlich bezeichnet, nicht beseitigen. Dein: fatiguieren kann man nicht in jedemHalle für ermüden gebrauchen; hat jemals ein Schriftsteller von einer fatiguiertenBauerfrau gesprochen? Und einen Flickschneider wird gewiß auch niemandeinen Tailleur nennen.
Schon diese Erwägungen zeigen uns deutlich, wie verfehlt es ist, dasÜberwuchern der Fremdwörter aus einer angeblichen Armut der Sprache ab-leiten zu wollen. Dasselbe sehen wir aber auch unmittelbar aus der Thatsache,daß wir oft mehrere Fremdausdrücke für dieselbe Sache haben.
Schon bei der UAderlegung Rümelins habe ich darauf hingewiesen, daßer Tompagnon und Asiociä, Ethik und Moral, Renommee und Reputation,Reglement und Regulativ u. a. als unentbehrlich neben einander aufführt, ob-gleich sie dasselbe bedeuten. Solchen Fremdwörterüberfluß treffen wir aber sehrhäufig. Ein Rentner heißt auf gut deutsch Rentier (halb deutsch, halb franzö-sisch ausgesprochen!), aber auch Privatier, Privatus oder particulier. Für Ver-mischtes finden wir die Fremdnamen Vuriu, Uisesiliumu, Symmikta, Saturaund Ausreiten; für Durcheinander (Quodlibet, Potpourri, Psle-Mdle, Ragout,Nixlum-eompc>8itu»i; für Ränke Intriguen, Aabalen, Praktiken, Lhicanen,(Huinten, Machinationen, Rabulistereien, Raneunen, Manöver; für große An-fangsbuchstaben Initialen, Versalien, Unciallettern; für Zeugnis Attest,Tertificat, Testimonium, Attestat, Testat; für Ausflug Partie, Tour, Excursion;für Auszug Excerpt, Epitome, Abrögs, Extraet; für Heiligenschein Nimbus,Aureole, Glorie; für Hauslehrer oder Hofmeister Gouverneur, Informator,Mentor, Präeeptor; für nach und nach psu ü peu, successive, pumäle (ausden: slawischen po mu!n — nach wenigem, woraus durch Amdeutung auch„pomadig" geworden ist); für einträglich rentabel, profitabel, luerativ; fürpeinlich penibel, scrupulös; für erfrischen restaurieren, recrcieren; für Aranken-haus Hospital, Spital, Lazarett, Lharitö; für Blumcnlese Florilegium, Lhresto-mathie, Anthologie; für Zahlungseinstellung Bankerott, Fallissement, Konkurs,Insolvenz, Liquidation u. s. w. Ebenso haben wir nebeneinander mit geringen:oder gar keinen: Unterschiede der Bedeutung: Interpretation und Exegese; Re-volution und Rebellion; Improvisation, Extemporisation, Impromptu; exaltiertund excentrisch; stabil, stationär, stereotyp; Rumor, Skandal, Randal, Tumult,Spektakel; Konversationslexikon, Realencyclopädie, Aniversalencyclopädie; Muni-ficenz, Liberalität; Plein pouvoir und Pienipotenz u. s. w.
Auch diese Beispiele, welche sich mit leichter Mühe vermehren lassen, zeigen,daß bei sehr vielen Fremdwörtern durchaus nicht das Bedürfnis die Veranlassungzur Aufnahme gewesen ist. Unsere Sprache ist aber nicht nur sehr reich, sondernsie besitzt auch noch eine andere Eigenschaft, die sie vor vielen anderen Sprachenauszeichnet; sie ist außerordentlich bildungsfähig. Zwar werden wir vonRümelin belehrt, neue Morte zu erfinden, sei für eine inehr als tausendjährigeSprache nicht inehr ausführbar (S. ^8), zwar findet auch Gildemeister, daß die