§2
Wort das Fremdwort zieinlich wiedergeben, obgleich an Präcision innner einigesverloren geht. Bei Tntsernnng fühlt man sich versucht hinzuzusügen, von wooder bis wo, was bei der scharf technischen Ausprägung des Wortes Distancegar nicht in Frage kommt." Gb wirklich ein deutscher Soldat diese Frage anseinen Unteroffizier richten sollte? Die Antwort würde jedenfalls an Alarheitnichts zu wünschen übrig lassen. Bei Wehrlader rügt er, daß „der BegriffGewehr nicht ansgedrückt sei, inan also der Unterscheidung von Revolvern undRevolverkanonen" entbehre, Zch kam: auch hier Delbrück nicht beistimmen,sollte wirklich ein Soldat, der mit dem neuen Mehrlader bewaffnet wird, auf denGedanken kommen, daß es vielleicht eine Revolverkanone sei? Delbrück findet,daß derartige Verdeutschungen „eine sehr gefährliche Procedur, oft geradezueine Verstümmelung unserer Sprache seien": hoffen wir, daß das deutsche Peer,welches schon so Großes geleistet hat, auch mit dieser schwierigen Ausgabefertig werde!
Von allgemeinerer Bedeutung sind zwei Sätze, welche Delbrück unabhängigvon seinen Vorgängern gegen die Sprachreinigung ins Treffen führt:
s) Wir sollen Fremdwörter gebrauchen, damit wir unsere eigenenWörter schonen.
2) Die Sprachreinigung hätte nur dann „einen Zweck, wenn es möglichwäre, die fremden Ausdrücke ganz zu beseitigen oder doch ans eine sehr-geringe Zahl zu reduzieren."
Das sind zwei Sätze, mit denen sich die Fürsprecher der Sprachreinigungauseinander setzen müssen.
„Gelände", sagt Delbrück, „hat bisher eine mehr getragene poetische Färbunggehabt; wird es zu einem technischen alltäglichen Ausdruck, so geht dieser poetischeSchmelz binnen kurzen: verloren". So werde Pförtner geschont durch Portier,Vaterlandsliebe durch Patriotismus, Feldherr durch General, Weisheitdurch Philosophie. Die beiden letzten Beispiele sind wohl nicht glücklich ge-wählt; dem: Feldherr und General decken sich ebenso wenig wie Philosophieund Weisheit. Was heißt aber Wörter schonen? Von der Sprache gilt derSatz: Rast' ich, so rost' ich. Wörter, die wenig gebraucht werden, geraten leichtin Vergessenheit. Gar manches schöne und bezeichnende deutsche Wort ist schonzu Tode geschont worden. Alan denke nur au Wörter wie: Tiland, Ahne,Recke, Degen, Maid, Aar, Lenz, Port, Fehde, Gau, hehr, reisig u. a., welcheaus unserer Sprache entschwunden waren und erst in neuerer Zeit durch unsereDichter der deutschen Sprache wieder geschenkt worden sind. Zst nicht das WortPförtner für Portier auch schon beinahe vergessen? Ts giebt Leute, welchenie von Vaterlandsliebe, sondern immer von Patriotismus sprechen. Delbrückselbst gebraucht in beiden Aufsätzen, abgesehen von der Anführung an dieserStelle, nicht ein einziges Mal das deutsche Wort, während das Fremdwort östervorkommt.
Vicht minder wunderbar ist der zweite Satz Delbrücks: Wenn nicht alleoder fast alle Fremdwörter beseitigt werden, dann hat die Sprachreinigung keinen