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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
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ständig gehandelt, denn es sind ja Kunstausdrückc! «Lin Arzt, der von Anstcck-nngsstoff, ansteckenden Krankheiten, ein Philosoph, der von dem Aettenschlussereden wollte, würde unwissenschaftlich verfahren: es muß heißen Loutagium,Infectionskrankhciten, Soritcs. In derToilcttensprache" der Kranen, welcheauch hierher gehört, darf inan ja nicht das französische Lollicr gegendiemit Kunden und anderen Haustieren zu teilende Halskette" vertauschen(5. ff): es ist ein internationaler Begriff! *) Aümelin begründet auch feineForderung:wenn jedes Volk anfangen wollte, seine eigenen Ausdrucksweisenund Benennungen geltend zu machen, so wäre kein gemeinsames Fort-arbeiten der Nationen mehr möglich, und es müßte genau gehen, wieeinst beim Turmbau von Babel, dessen Fortführung unmöglich wurde, weil dieLeute sich nicht inehr verstanden" (5. 8). Dieser Linwaud ist früher gemachtworden, als man anfing, das Lateinische als Sprache der Wissenschaft zu be-seitigen. Damals sagte man eine babylonische Verwirrung in der Wissenschaftvoraus uiid sie ist nicht eingetreten. Ls ist unbequemer geworden für dieGelehrten, welche jetzt verschiedene neuere Sprachen lernen müssen, aber dieWissenschaft hat dadurch keinen Schaden gelitten. Wird da wohl durch diewenigen Verdeutschungen, die überhaupt bei Weltwörtern zulässig sind denndie meisten gehören zu den unentbehrlichen, wirklichdie gemeinsame Fort-arbcit der Nationen unmöglich" geinacht werden? Daß man in dieser Be-ziehung der deutschen Sprache doch einige Zugeständnisse machen müsse, dasgiebt Rümelin selbst zu, wenn er S. 8 sagt:Den Bestrebungen, auch die Spracheder Wissenschaften dein gemeinen Verständnis näher gerückt und in der termino-logischen Ausdrucksweise Blaß gehalten zu sehen, wird jedenfalls für die Zweckedes Unterrichts und der allgemeinen Bildung die Berechtigung nicht abzu-sprechen sein."

Sehen wir uns nun Rümelins Fremdwörterverzeichnis einmal näheran. Ls soll alle unentbehrlichen fremden Ausdrücke enthalten, die eine Lückein unserer Sprache ausfüllen, die durch deutsche Wörter unmöglich ersetzt werdenkönnen, die jeder Gebildete, der wenigstens eine fremde Sprache gelernt hat(S. Uj, kennt und kennen muß. Die armen Gebildeten! Wir finden dortfolgende Wörter: Absentismus, Asot, bastant, Lensit, Lonvictor, Fassion,Fourgon, Galeot, Gratial, Intercalar, Nebulist, Gsficialat, Hhalanstöre, putativ,

*) Die Frauzösinnen müssen allerdings das harte Schicksal ans sich nehmen, ihr oolltormit den Hunde» zu teilen und sie ertragen es mit Anmut. Im Schwäbischen Merkur wirdan den Ranzler Rümelin die Frage gerichtet, ob er wirklich das deutsche MortHalskette"so unedel finde, ob er sich .nicht auf eine Stelle bei Goethe besinne, wo es heißt: ,,die goldeneRette gieb mir nicht, die Rette gicb den Rittern, gicb sie dem Ranzler, den du hast, undlaß ihn auch die goldne Last zu andern Lasten tragen."

Wie wenig genau übrigens Rümelin in seiner Ausdruckweise ist, zeigt dieselbe Stelle,indem er sagt:die Rlcidung, und nicht allein die weibliche, ist eine europäische geworden."Haben etwa die Amerikanerinnen ihre eigene Mode? Und wie steht es in den andere»Weltteilen, wo Gebildete wohnen? Die Mode erstreckt sich jetzt über die Erde, nicht alleinüber Europa.