einen Boden gelegt zu haben" (S. 5). Ich hoffe Nachweisen zu können, daßdiese ganze Unterscheidung s) an sich unklar und haltlos und 2) für dieFremdwörtersrage von gar keiner Bedeutung ist.
Die Unterscheidung zwischen fremden Wörtern und Fremdwörtern istschon im Namen unklar; denn der Ausdruck „fremde Wörter" drückt das nichtaus, was Rümelin hineingclegt wissen will; es sollen nämlich internationale oderWeltwörter sein. Sehen wir uns diesen Begriff etwas näher an. Rü-melin sagt von ihnen, daß sie die deutsche Sprache „gar nichts angehen"(5. 6) und daß sie „ein gemeinsames Besitztum der modernen Kulturvölker"sind (5. 7). Das ist ein Widerspruch. Da wir doch wohl auch zu den Kultur-völkern gehören, so haben wir also ein Alit-Tigcntumsrecht, demnach gehensie uns allerdings etwas an. Er nennt sie Durchreisende oder Passanten,die anderwärts ihre lheimat haben. Unter Durchreisenden verstehen wir aberdoch solche Personen, die nur zeitweise zu uns kommen und nach kurzeinAufenthalte wieder wegreisen. Sind denn diese Weltwörter nur zeitweise bei unszu finden? Kunstausdrücke wie Philosophie, Physik, The,nie, Tlektrieität, Tele-graph; „exotische" Wörter wie Kaffee, Thee, Tabak, Känguruh, Ukahagoni,Uloschee u. s. w. sollen sich bei uns nur aus der Durchreise befinden? Auchhier widerspricht er sich selbst, wenn er S. ff. sagt, Kaffee, Thee, Thocolade,Tabak u. a. seien „zwar nicht deutsche, aber eingelebte und assimilierte Worte."Dann sind es doch wohl keine „Passanten" mehrl
Ts ist überhaupt ein wunderlicher Gedanke, alle diese Weltwörter ausunserer Sprache ausschließen zu wollen. Wenn man von dem Wortschätze einerSprache redet, so meint inan doch damit alle die Ausdrücke, welche in der be-treffenden Sprache mündlich oder schriftlich verwendet werden. Wenn also wirklich^UOOO Fremdwörter in deutschen Schriften gebraucht werden, wie unsere Fremd-wörterbücher angeben, so können wir behaupten, daß die deutsche SprachestOOOO Fremdwörter enthält. Gb diese häufig oder selten Vorkommen, ob sienur in wissenschaftlichen Büchern oder auch anderwärts angewendet werden,darauf kommt nichts an, wenn man seststellen will, wie viele Fremdwörter wirhaben. Tin solches Buch will ja, wie Rümelin selbst sagt (S. >2), „eil, Nach-schlagebuch sein, das über alle fremdsprachlichen Wörter jeder Art Auskunft er-teilt." Rümelins Weltwörter gehören zum deutschen Wortschätze ebenso gut wieseine „Fremdwörter", ja mit noch größerem Rechte, weil sie großenteils zu denunentbehrlichen Freu,dausdrücken zu rechnen sind.
Bei der Freiudwörterfrage kann man sie nach Rümelin „verständiger Weise"nicht in, Auge haben; also Verdeutschungen von Weltwörtern sind ausgeschlossen.Ich darf demnach nicht „Sittenlehre" sagen für Ethik oder Aloral, nicht Ein-zahl und Wehrzahl für Singular und Plural, nicht männliches und weiblichesGeschlecht für Waseulinum und Femininum, denn das sind Fachausdrücke, dienicht verdeutscht werde,, dürfen. Wenn unsere lheeresverwaltung neuerdings inder Felddienstordnung Renvoi durch Erläuterung, Distanee durch Abstand, Inter-vall durch Zwischenraum übersetzt hat, so hat sie damit nach Rümelin unver-